Dass Zucker den Zähnen schadet, weiß mittlerweile jedes Kind. Weit weniger bekannt ist, dass es auch antibakterielle Nahrungsmittel gibt, die als „natürliche Waffen“ gegen Krankheitskeime wirken. Lesen Sie hier, wie uns Zwiebeln, Pilze, Grüntee und andere Lebensmittel im Kampf gegen Karies unterstützen.

Antibakterielle Nahrungsmittel enthalten „natürliche Antibiotika“

Bakterien, die sich von Essensresten und Zahnbelägen ernähren, sind eine konstante Bedrohung für unsere Zähne. Wird unser Immunsystem mit ihnen nicht mehr fertig, dann können Zahnkrankheiten wie Karies und Parodontitis entstehen. Mit antibakteriellen Wirkstoffen in Zahnpasta oder Mundspüllösungen können wir den Keimen kurzfristig Herr werden. Wer jedoch ständig mit „scharfen Geschützen“ auffährt, zerstört auch die natürliche Mundflora, die für unsere Zahn- und Mundgesundheit wichtig ist.

Doch wie setzen sich eigentlich Pflanzen zur Wehr, wenn sie von Bakterien oder Pilzen befallen werden? Sie produzieren spezielle Schutzstoffe, die Keime abtöten oder deren Wachstum eindämmen. Diese Substanzen sind auch als „sekundäre Pflanzenstoffe“ bekannt. Oft sind sie für den speziellen Geruch oder Geschmack der Pflanzen verantwortlich. Sekundäre Pflanzenstoffe nützen aber nicht nur den Pflanzen selbst. Auch wir können von ihrer Wirkung profitieren, wenn wir die Pflanzen essen.


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Antibakterielle Nahrungsmittel: Ein Überblick

Zahlreiche pflanzliche Lebensmittel enthalten Stoffe, die grundsätzlich der Abwehr von Bakterien dienen. Um sie als echte „antibakterielle Nahrungsmittel“ bezeichnen zu können, müssen die Substanzen aber in ausreichenden Mengen enthalten sein. Die folgenden Nahrungsmittel sind vollgepackt mit Abwehrstoffen gegen Bakterien:

Zwiebeln

Für den markanten Geruch und Geschmack von Zwiebeln sind unter anderem die Substanz Allicin sowie bestimmte „Scharfstoffe“ (sogenannte Senföl-Glykoside) verantwortlich. Mit diesen Stoffen wehren sich die Pflanzen auch gegen Bakterien. Forscher konnten bereits in den 1990er-Jahren nachweisen, dass Zwiebel-Extrakte gezielt das Wachstum von Streptococcus-Bakterien hemmen, die als Hauptverursacher von Karies gelten. Auch die wichtigsten Parodontitis-Keime konnten durch das Zwiebel-Extrakt eingedämmt werden.

Um Zwiebeln als antibakterielle Nahrungsmittel zu nutzen, sollte man sie möglichst roh essen und gut kauen. Falls Sie sich wegen des unvermeidlichen Zwiebel-Atems sorgen: Stark riechende Kräuter wie Minze oder Petersilie können ihn neutralisieren.

Knoblauch

Ähnlich wie Zwiebeln enthält Knoblauch „Scharfstoffe“, die in ausreichender Dosis Bakterien abtöten können. Im Zweiten Weltkrieg bezeichnete man Knoblauch auch als „russisches Penicillin“, weil Ärzte ihn einsetzten, als in den Lazaretten Antibiotika knapp wurden.

Grüntee

Wissenschaftlich belegt ist auch die antibakterielle Wirkung von Grünem Tee. Das japanische Nationalgetränk wird in der asiatischen Volksmedizin traditionell zur Stärkung von Mund und Zähnen empfohlen. Forscher konnten nachweisen, dass Grüntee seinen Ruf als antibakterielles Nahrungsmittel völlig zu Recht besitzt: Extrakte aus Grüntee hemmen das Wachstum des Karies-Verursachers Streptococcus mutans. Dafür verantwortlich sind vermutlich die enthaltenen Katechine, die in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen und ihre Vermehrung hemmen. In einer weiteren Studie bekamen japanische Schulkinder über 250 Tage eine Tasse Grüntee täglich zu trinken. Sie litten anschließend unter 50 Prozent weniger Kariesläsionen als Kinder, die keinen Grüntee tranken.

Shiitake-Pilze

Penicillin, das Antibiotikum der ersten Stunde, wurde ursprünglich an Schimmelpilzen entdeckt. Mittlerweile ist von zahlreichen Pilzarten bekannt, dass sie antibakterielle Stoffe enthalten. Besonders gut erforscht ist die Wirkung von Shiitake-Pilzen als antibakterielle Nahrungsmittel. Die vor allem in Japan verbreiteten Speisepilze enthalten Stoffe, die gegen eine ganze Bandbreite an Keimen wirken.

Birkenzucker (Xylit)

Xylit ist ein Zuckerersatzstoff, der aus der Rinde bestimmter Baumarten gewonnen wird. Er schmeckt ebenso süß wie Zucker, bietet aber schädlichen Karies-Bakterien keine Nahrungsgrundlage. Allein deshalb wird Xylit oft als „zahnfreundliches“ Produkt beworben. Darüber hinaus soll Xylit auch aktiv das Wachstum von Karies-Bakterien hemmen – auch wenn das wissenschaftlich noch nicht mit völliger Sicherheit bewiesen ist.

Küchenkräuter

Zahlreiche bekannte Küchenkräuter zählen ebenfalls zu den antibakteriellen Nahrungsmitteln. Nachgewiesen wurde eine keimhemmende Wirkung unter anderem für Oregano, Thymian, Estragon, Pfefferminze und Salbei.

Gewürze

Scharfe Gewürze wie Chili, Ingwer oder Piment sind vor allem in heißen Regionen beliebt, in denen sich Krankheitskeime klimatisch bedingt rasch verbreiten können. Die enthaltenen „Scharfstoffe“ machen diese Würzzutaten zu effektiven Bakterien-Killern. Eine gute antibakterielle Wirkungen haben zudem unter anderem Zimt, Kreuzkümmel, Anis und Zitronengras.

Fluoridiertes Speisesalz

Die Rolle von Fluorid bei der Kariesvorbeugung ist wissenschaftlich gut belegt. Fluorid härtet einerseits den Zahnschmelz und macht ihn so widerstandsfähiger gegen die Säureangriffe von Bakterien. Andererseits hemmt der Mikro-Nährstoff auch aktiv das Wachstum von schädlichen Keimen im Zahnbelag. Mit Fluorid versetztes Speisesalz zählt daher ebenso zu den „antibakteriellen Nahrungsmitteln“.

Antibakterielle Nahrungsmittel: Gut zur Prävention geeignet

Selbstverständlich können die oben genannten Lebensmittel keine Antibiotika-Pillen ersetzen. Bei einer schweren Zahnfleischentzündung sind sie wirkungslos, und auch gegen bestehende Karies-Löcher im Zahn können sie nichts ausrichten. Regelmäßig zu sich genommen, können antibakterielle Nahrungsmittel aber Entzündungen vorbeugen und das Immunsystem bei der Abwehr schädlicher Keime unterstützen. Vorausgesetzt, Sie betreiben daneben auch eine gründliche Zahnhygiene!

Honig und Ahornsirup: Bakterien-Killer, aber leider reich an Zucker

In der Liste der antibakteriellen Lebensmittel tauchen regelmäßig auch Honig und Ahornsirup auf. Vor allem Honig scheint eine regelrechte Wunderwaffe gegen Bakterien zu sein: Laut neuesten Studien enthält er ein ganzes Spektrum an Inhaltsstoffen, die Keime auf unterschiedliche Weise bekämpfen. Das macht es unwahrscheinlicher, dass die Bakterien Resistenzen gegen die Wirkstoffe entwickeln.

Leider sind Honig und Ahornsirup aber reich an Zucker und bilden durch ihre klebrige Konsistenz hartnäckige Zahnbeläge. Zur Vorbeugung von Zahnkrankheiten sind sie daher nur eingeschränkt zu empfehlen.

Weitere Lebensmittel mit schützender Wirkung

Darüber hinaus gibt es weitere Nahrungs- und Genussmittel, die zwar nicht direkt gegen Bakterien wirken, aber ein günstiges Milieu im Mund herstellen und so unsere Zahngesundheit unterstützen.

Käse

So kann natürlich gereifter Käse offenbar die Karies-Entstehung hemmen. Zum einen bildet das enthaltene Fett eine Schutzschicht um den Zahn, die dafür sorgt, dass sich Zuckerbestandteile weniger leicht anlagern können, zum anderen neutralisieren Kalzium, Phosphat und Eiweiße den pH-Wert des Speichels und machen auf diese Weise Säuren unschädlich. Einige der im Käse enthaltenen Fettsäuren scheinen zudem eine direkte antibakterielle Wirkung zu haben.

Kaugummi

Auch das Kauen von (zuckerfreien!) Kaugummis kann sich günstig auf die Zahngesundheit auswirken. Der Grund dafür ist, dass die Kautätigkeit den Speichelfluss anregt, der für unsere Zahngesundheit eine wesentliche Rolle spielt. Denn Speichel enthält zahlreiche bakterienhemmende Stoffe, durch die der Körper schädliche Keime in Schach hält. Wer häufig unter Mundtrockenheit leidet, sollte daher Kaugummis griffbereit halten. Ebenso wichtig ist ausreichendes Trinken, damit der Speichel „im Fluss“ bleibt.

Die meisten antibakteriellen Nahrungsmittel nützen übrigens nicht nur unseren Zähnen. Sie enthalten neben keimhemmenden Substanzen auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe, die unser Immunsystem stärken und die allgemeine Gesundheit fördern.

 

Fotoquelle Titelbild: © Aaron Amat/shutterstock.com