Paleo, Low Carb & vegane Ernährung: Gut oder schädlich für die Zähne?

Dass eine zuckerreiche Ernährung schlecht für die Zähne ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch wie steht es um alternative Ernährungsformen wie Veganismus, Paleo (auch bekannt als Steinzeit-Diät), Low Carb oder Rohkost, die derzeit in aller Munde sind? Sind sie gut für unsere Zähne, wie es ihre Anhänger behaupten, oder gar schädlich, wie manche Kritiker meinen? – Ein Fakten-Check aus zahnärztlicher Sicht.

Ernährung und Zähne – ein schwieriges Thema für die Wissenschaft

Essen soll uns heute nicht einfach nur satt machen, sondern auch gesünder, schöner und glücklicher. Vor allem im Internet verbreiten sich Ernährungstrends wie Veganismus, Paleo-Diät oder Low Carb in Windeseile – und mit ihnen die Heilsversprechen ihrer Anhänger.

Doch häufig widersprechen sich die Empfehlungen: Mal wird eine rein pflanzliche Ernährung in den Himmel gelobt, dann wieder werden Kohlenhydrate verdammt. Wer soll da als Laie noch durchblicken? Zu Ihrer Beruhigung: Auch die Wissenschaft tut es
nicht. Denn in der Forschung mahlen die Mühlen etwas langsamer als in der virtuellen Welt. Wie sich moderne Ernährungstrends auf Dauer wirklich auf die Zahngesundheit auswirken, wissen wir derzeit nicht mit völliger Sicherheit.


​Kostenlose​ Checkliste


​Mit welchen Lebensmitteln Ihre Zähne gesund bleiben und
worauf Sie besser verzichten sollten.


Worüber sich Zahnärzte in Sachen Ernährung aber einig sind:

  • Süß und klebrig ist Gift für die Zähne. Denn Karies-Bakterien lieben Zucker und wandeln ihn in Säuren um, die unsere Zahnsubstanz angreifen. Besonders schädlich sind klebrige Süßigkeiten wie Honig oder Karamell, die sich wie Kleister um die Zähne legen.
  • Sauer ist leider nicht so lustig für unsere Zähne: Die in Früchten, Essig oder Softdrinks enthaltenen Säuren lösen Mineralstoffe aus der Zahnsubstanz und bauen sie so nach und nach ab.
  • Damit Zähne und Kiefer gesund bleiben, muss unsere Nahrung die wichtigsten „Zahn-Baustoffe“ in ausreichenden Mengen enthalten. Außerordentlich wichtig für den Aufbau und den Erhalt der Zahnsubstanz sind Kalzium, Vitamin D, Phosphate und Fluorid. Es gibt darüber hinaus eine Reihe weiterer Vitamine und Mineralstoffe, die Einfluss auf die Zahngesundheit haben.

Die Eckpfeiler einer zahngesunden Ernährung sind also wenig Zucker, nicht zu viele Säuren und eine ausgewogene Nährstoff-Zufuhr. Inwieweit entsprechen die aktuellen Ernährungstrends diesen Empfehlungen?

Vegane und vegetarische Ernährung

Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, Veganer auf tierische Produkte aller Art. Ausschlaggebend sind oft nicht gesundheitliche, sondern ethische Gründe. Trotzdem sind viele Vegetarier und Veganer überzeugt, auch ihrem Körper damit Gutes zu tun.

Bedenklich ist aus zahnärztlicher Sicht vor allem eines: ein möglicher Mangel an wichtigen Nährstoffen. Vitamin B12 etwa ist fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Kritisch kann es auch bei Nährstoffen wie Vitamin D, Eisen, Jod oder Zink werden, die in pflanzlichen Produkten in geringeren Mengen enthalten oder für den Körper schlechter verfügbar sind. Darüber hinaus riskieren Veganer einen Mangel an dem essentiellen „Zahn-Baustoff“ Kalzium, während Vegetarier, die Milchprodukte zu sich nehmen, hier meist ausreichend versorgt sind.

Milchprodukte wie Käse haben zudem einen weiteren Vorteil für die Zähne: Sie neutralisieren Säuren und bilden dank Fetten und Proteinen eine gewisse Schutzschicht, die Bakterien das Anheften erschwert.

Automatisch schlecht für die Zahngesundheit muss eine vegane oder vegetarische Ernährung nicht sein, wenn man genügend Nährstoffe zu sich nimmt – gegebenenfalls über Nahrungsergänzungsmittel.

Zudem hängt viel von den individuellen Ernährungsgewohnheiten ab: Wer auf tierische Produkte verzichtet, um dafür bei Süßigkeiten, Obst, Smoothies und Fruchtsäften umso kräftiger zuzulangen, tut seinen Zähnen nichts Gutes. Weniger kariesfördernd sind ballaststoffreiche, zuckerarme Lebensmittel wie Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen. Knackiges Gemüse hat gegenüber Smoothies und Säften auch den Vorteil, dass kräftiges Kauen die Speichelbildung anregt. Im Speichel sind Stoffe enthalten, die das Bakterienwachstum hemmen, dadurch wird Karies und Zahnfleisch-Entzündungen entgegengewirkt.

Paleo-Ernährung

Anhänger der sogenannten Paleo-Ernährung oder „Steinzeit-Diät“ versuchen so zu essen, wie es unsere Vorfahren (vermutlich) taten. Sie streichen daher Milchprodukte, Zucker und Getreide von ihrem Speiseplan, während Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, Nüsse und Samen erlaubt sind.

Ein unumstrittener Pluspunkt für die Zahngesundheit ist der Verzicht auf Süßigkeiten und Weißmehl-Produkte wie Brot und Nudeln. Denn die in Getreide enthaltene Stärke nährt ebenfalls Karies-Bakterien, in Weißmehl-Produkten ist sie besonders rasch verfügbar. Paleo-Anhänger haben also teilweise Recht damit, dass Karies eine vermeidbare „Zivilisationskrankheit“ ist. Natürlich spielen auch weitere Faktoren wie die genetische Veranlagung eine Rolle.

Allerdings verzichten moderne Steinzeit-Menschen auf die schützende Wirkung von Milchprodukten auf die Zähne. Zumindest der Kalzium-Bedarf lässt sich aber auch über Lebensmittel wie Fisch, Eier und verschiedene Obst- und Gemüsesorten decken.

Low Carb-Diäten

Unter „Low Carb“ versteht man die Reduktion oder den weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate, wobei diese Grundregel unterschiedlich streng gehandhabt wird. Anhänger dieser Ernährungsform erhoffen sich oftmals, auf diese Weise Gewicht zu verlieren oder ihr Gewicht zu halten.

Low Carb-Diäten ähneln der Paleo-Ernährung darin, dass Zucker und Weißmehl durchwegs vom Speiseplan gestrichen sind. Anders als bei der „Steinzeit-Diät“ zählen Milchprodukte wie Quark und Käse aber zu den erlaubten Nahrungsmitteln und werden oft sogar in erhöhten Mengen konsumiert.

Günstig für die Zähne ist der Verzicht auf Zucker und Stärke – vor allem wenn stattdessen ballaststoffreiche Lebensmittel und kalziumreiche Milchprodukte am Speisezettel stehen.
Doch auch wenn der Zahnarzt grünes Licht gibt: Ernährungsexperten haben berechtigte Zweifel, ob eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung generell empfehlenswert ist, denn unsere Muskeln und unser Gehirn nutzen Kohlenhydrate als bevorzugte Energiequelle!

Ein möglicher Nachteil aus zahnärztlicher Sicht: Wer häufig säurehaltige Früchte als „erlaubte“ Kohlenhydrate zu sich nimmt, setzt seine Zähne auch vermehrt Säureangriffen aus.

Rohkost-Ernährung

Rohkost-Anhänger verzichten auf gekochte Mahlzeiten, Brot und sämtliche Lebensmittel, die bei der Verarbeitung erhitzt wurden. Sie halten das für gesünder, weil viele wichtige Nahrungsbestandteile wie Vitamin C, Folsäure oder Biotin durch Erhitzen verloren gehen.

Damit haben sie zwar recht. Aber: Es gibt auch Vitamine, die unser Körper besser verwerten kann, wenn wir Lebensmittel erhitzen – beispielsweise Vitamin E oder Vitamin A. Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität in Gießen haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass Rohköstler zu einem Mangel an Eisen, Magnesium, Calcium, Vitamin D, Vitamin B2 und Vitamin B12 neigen. Das kann auf Dauer auch der Zahngesundheit schaden.

Nicht nur Ernährung, auch Zahnpflege ist entscheidend

Fakt ist: Das Thema Ernährung erhitzt die Gemüter vieler gesundheitsbewusster Menschen. Aus zahnärztlicher Sicht ist aber keine der hier besprochenen Ernährungsformen grundsätzlich „gut“ oder „schlecht“.

Denn egal ob Veganer, Rohköstler, Paleo-Anhänger, Low Carb- oder „Normal-Esser“: Es gibt bei allen diesen Ernährungsformen eine große Spannweite individueller Auslegungen.

Entscheidend ist darüber hinaus, wie Sie Ihre Zähne anschließend pflegen! Beispielsweise hält sich die schädliche Wirkung von Fruchtsäuren auf die Zähne in Grenzen, wenn Sie Ihren Mund nach dem Genuss von Obst mit Wasser ausspülen und mit dem Zähneputzen mindestens eine halbe Stunde warten.

 

Fotoquelle Titelbild: © shutterstock.com / SunCity