Pochender Zahn: Wie es dazu kommt, was gegen den Schmerz hilft

Er raubt uns buchstäblich den letzten Nerv: Ein pochender Zahn zählt zu den quälendsten Schmerzarten, die wir empfinden können. Und oft trifft es einen ausgerechnet nachts, am Wochenende oder im Urlaub, wenn weit und breit kein Zahnarzt verfügbar ist. Lesen Sie hier, was dahinter steckt und wie man den Schmerz möglichst rasch wieder los wird.

Pochender Zahn kann auf Entzündung hindeuten

Jeder Zahnschmerz ist ein Warnsignal: Er weist uns darauf hin, dass etwas mit den Zähnen nicht stimmt. Oft gibt die Schmerzqualität bereits erste Hinweise auf mögliche Ursachen. Wenn ein Zahn heftig pocht, liegt das häufig an einer Entzündung. Weil das erkrankte Gewebe stärker durchblutet ist, spüren wir den Schmerz oft synchron zum eigenen Herzschlag. Typisch für eine Entzündung ist auch, dass sich der Schmerz durch Wärme und in Ruhe eher verstärkt. Deshalb treffen uns die Schmerzattacken sehr oft nachts.

Entzündungen sind eigentlich eine sinnvolle Abwehrreaktion. Der Körper versucht sich gegen Krankheitserreger oder deren schädliche Stoffwechselprodukte zu wehren. Die körpereigenen Abwehrstoffe können aber ihrerseits das Gewebe schädigen. Einen pochenden Zahn sollte man daher keinesfalls abtun. Die Entzündungsprozesse führen im schlimmsten Fall dazu, dass der Zahn abstirbt!


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Pochender Zahn aufgrund einer Zahnmarkentzündung (Pulpitis)

Entzündungen können in verschiedenen Bereichen von Mund und Kiefer auftreten. Die häufigste Ursache für einen pochenden Zahn ist eine Entzündung im Bereich des Zahnmarks. Das Zahnmark ist sozusagen der „innerste Kern“ unserer Zähne. Es besteht aus Bindegewebe, Blutgefäßen und feinsten Nervenbahnen. Diese leiten Schmerzreize an das Gehirn weiter, und genau das ist der Grund, warum eine Entzündung im Bereich des Zahnmarks höllisch weh tun kann. Befindet sich der Entzündungsherd im Bereich der Zahnwurzeln, spricht man auch von einer Zahnwurzelentzündung.

Durch die Entzündung schwillt sehr oft das umgebende Gewebe an. Wenn ein pochender Zahn von einer „dicken Backe“ begleitet wird und die betroffene Region sehr empfindlich auf Berührung, Kälte oder Wärme reagiert, ist eine Zahnmark- bzw. Zahnwurzelentzündung naheliegend.

Am Beginn steht die Karies

Eine Zahnmarkentzündung entsteht nicht von heute auf morgen, sie hat immer eine Vorgeschichte. Ausgelöst wird sie meist von Karies-Bakterien, die Löcher in den Zahn fressen und sich so nach und nach bis ins Innere des Zahnes vorarbeiten. Das Tückische ist, dass man davon anfangs nicht viel bemerkt – eine Karies muss nicht weh tun. Erst wenn die Krankheitserreger buchstäblich den Zahn-Nerv treffen, kommt es zu plötzlichen, heftigen Schmerzattacken.

Neben einer Karies können der Zahnmarkentzündung auch andere Ursachen zugrunde liegen: beispielsweise Zahnverletzungen, schiefgewachsene Weisheitszähne oder eine unbehandelte Parodontitis.

Pochender Zahn: Weitere mögliche Ursachen

Schmerzen sind etwas sehr Individuelles. Auch zahlreiche andere Erkrankungen im Kiefer- oder Mundbereich machen sich bei einigen Menschen durch Pochen bemerkbar. Ein pochender Zahn kann beispielsweise auf folgende Erkrankungen hindeuten:

  • Karies: Gelegentlich beginnt ein Zahn zu pochen, noch bevor die Karies-Bakterien das innere Zahnmark befallen haben.
  • Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündungen: Manchmal empfinden wir Zahnschmerzen, obwohl gar nicht die Zähne selbst, sondern das umgebende Zahnfleisch erkrankt ist. Ein pochender Zahn kann daher auch ein Hinweis auf eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder eine Zahnbettentzündung (Parodontitis) sein. Typisch ist ein heftiger Schmerz beim Aufbeißen, oft ist auch das Zahnfleisch gerötet oder blutet, wenn man es berührt.
  • Zahnverletzungen (Traumata): Durch Stürze oder heftige Schläge können Zähne innere Schäden davontragen – selbst wenn der Zahn rein äußerlich unversehrt erscheint. Wird ein Zahnnerv durch äußere Einwirkungen geschädigt, kann das ähnliche pochende Schmerzen hervorrufen wie ein Zahnmarkentzündung.
  • Probleme mit den Weisheitszähnen: Wächst ein Weisheitszahn schief, kann er großen Druck auf seine Nachbarn ausüben. Bei pochenden Schmerzen im Bereich der hinteren Backenzähne sollte man daher auch an die Weisheitszähne denken.
  • Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis):

Gelegentlich liegt einem pochenden Zahn gar keine Zahnerkrankung zugrunde, sondern eine Entzündung im Bereich der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Weil die Zahnwurzeln und die Nasenebenhöhlen sehr nahe zueinander liegen, greift der Schmerz manchmal auf Kiefer und Zähne über.

Erste Hilfe: Was rasch gegen die Schmerzen hilft

Ein pochender Zahn kann also auf ernsthafte Zahnerkrankungen hindeuten. Sie sollten die Beschwerden daher niemals auf die leichte Schulter nehmen! Sind die Schmerzen sehr stark und werden sie vielleicht von Schwellungen begleitet, dann sollten Sie sich so rasch wie möglich um einen Notfall-Termin beim Zahnarzt kümmern.

Um die Zeit bis zu Ihrem Termin zu überbrücken, können Sie Schmerzmittel auf der Basis von Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen. Falls Sie keine Tabletten schlucken möchten, helfen vielleicht kalte Umschläge: Wickeln Sie ein Coolpad oder eine Packung mit Eiswürfeln in ein Tuch ein und drücken Sie es sanft an die schmerzende Stelle. Wichtig: Das Eis niemals direkt auf die Haut legen, sonst drohen Erfrierungen! In leichteren Fällen kann auch das Kauen von Gewürznelken Linderung verschaffen. Die darin enthaltene Substanz Eugenol wirkt leicht betäubend und schmerzlindernd.

Pochender Zahn: So geht der Zahnarzt vor

Beim Zahnarzt steht zunächst einmal Ursachensuche auf dem Programm. Der Zahnarzt wird sich nach Ihren genauen Beschwerden erkundigen und die schmerzende Stelle mithilfe von Spiegeln oder Sonden in Augenschein nehmen. Zusätzlich können Röntgen-Untersuchungen Hinweise auf die Ursache liefern.

Wurzelbehandlung: Den Schmerz an der Wurzel packen

Die Therapie richtet sich anschließend nach der genauen Ursache. Liegt eine Zahnmarkentzündung dem pochenden Zahn zugrunde, dann ist eine rasche Behandlung besonders wichtig. Denn die Krankheitserreger können das Zahnmark irreversibel schädigen, in solchen Fällen muss der Zahn oft gezogen werden.

Als ersten Rettungsversuch wird der Zahnarzt wahrscheinlich eine Wurzelbehandlung vornehmen. Dabei verschafft er sich unter lokaler Betäubung Zugang zu den entzündeten Wurzelkanälen und behandelt sie mit antibakteriellen Lösungen, um die Keime abzutöten. Danach dichtet er die Wurzelkanäle mit einer speziellen Füllung ab und verschließt sie provisorisch. Nach einigen Tagen bekommt der Patient eine bleibende Füllung.

Wurzelspitzenresektion: Wenn es Keime auf die Spitze treiben

Bei besonders hartnäckigen Entzündungen ist oft eine Wurzelspitzenresektion nötig. Dabei entfernt der Zahnarzt ein Stück des entzündeten Gewebes mitsamt der Wurzelspitze. Wichtig ist, dass keine Keime zurückbleiben, denn sonst flammt die Entzündung erneut auf! Ein so behandelter Zahn ist zwar nicht mehr ganz so fest verankert, kann aber oft trotzdem erhalten bleiben.

Pochender Zahn: Ursache immer abklären lassen

Einen pochenden Zahn sollten Sie als Warnsignal des Körpers immer ernst nehmen. Keine gute Lösung ist es, den Schmerz über längere Zeit hinweg mit Tabletten zu unterdrücken oder mit Hausmitteln selbst zu behandeln. Dadurch verlieren Sie möglicherweise wertvolle Zeit. Zahnbehandlungen haben die größte Aussicht auf Erfolg, wenn Sie sich möglichst früh an Ihren Zahnarzt wenden!