Selbstgemachte Zahnpflegemittel sind mittlerweile ein echter Trend. Und es gibt gute Gründe, die dafür sprechen: Durchschnittlich verbraucht jeder Mensch im Jahr fünf Zahnpasta-Tuben. Und so eine Tube braucht über 200 Jahre, bis sich das Plastik zersetzt hat. In Zeiten, in denen Plastikmüll ein deutliches Problem geworden ist, wollen immer mehr Menschen das nicht mehr mitmachen. Alternativen zur klassischen Zahnpasta in der Tube gibt es zum Glück mittlerweile genügend – ob Zahnputztabletten, Zahnpulver oder einfach eine selbstgemischte Paste. Letzteres ist besonders beliebt bei Menschen, die genau wissen möchten, was auf ihre Zahnbürste kommt.

Was kommt in selbstgemachte Zahnpasta so alles rein?

Aber was genau kommt den eigentlich auf die Zahnbürste, wenn man sich seine Zahnpasta selbst mischt? Schauen wir uns an, was verschiedene DIY-Rezepte empfehlen und was die einzelnen Zusatzstoffe bewirken sollen.

Kokosöl – die Basis aller selbstgemachten Zahnpflegemittel

Kokosöl ist nun schon seit einigen Jahren als Wundermittel für alle möglichen Bereiche bekannt. Es soll antibakterielle und antifungale Eigenschaften haben, die dann im Mund schädlichen Bakterien und Candida-Pilzen den Garaus machen.

Natron

Jeder, der bei Sodbrennen ein Glas Natronwasser trinkt, weiß: Das Pulver neutralisiert auch im Körper wunderbar Säuren. In selbstgemachten Zahnpflegemitteln wird es deshalb verwendet, um durch Essen und Bakterien entstehende Säuren auszugleichen und so den Zahnschmelz zu schützen. Darüber hinaus dient es als Schleifkörperchen, um Ablagerungen zu entfernen.

Xylit und Stevia

Zucker ist der Feind unserer Zähne – das weiß jedes Kind. Zuckerersatzstoffe wie Xylit und Stevia sollen dagegen karieshemmend wirken.

Kurkuma

Bei selbstgemachten Zahnpflegemitteln soll die entzündungshemmende Wirkung der Wurzel vor Zahnfleischentzündungen schützen.

Ätherische Öle

Einfach für den Geschmack. Alternativ lassen sich auch getrocknete Kräuter wie Pfefferminz, Salbei oder Kamille nutzen, die den entscheidenden Vorteil haben, antibakteriell und entzündungshemmend zu wirken.

Zitrone

Zitronensaft soll für eine aufhellende Wirkung und einen frischen Geschmack im Mund sorgen.

Klingt doch soweit ganz gut, nicht wahr? Bevor Sie sich nun überzeugt auf Ihr erstes Zahnpasta-Projekt stürzen, sollten Sie aber erst einmal lesen, welche Probleme dabei auftreten könnten.

 

Zutaten für selbstgemachte Zahnpasta ©nadisja/shutterstock.com
In selbstgemischter Zahnpasta sind meist Zutaten, die sich eigentlich recht gesund anhören | © nadisja/shutterstock

Die Nachteile selbstgemachter Zahnpflegemittel

Problem Nr. 1: Selbstgemachte Zahnpflegemittel verzichten auf Fluorid

Sobald Sie etwas trinken oder essen, wird Ihr Zahnschmelz von den Säuren angegriffen und etwas aufgeweicht. Dabei werden wertvolle Mineralien herausgelöst, ohne die er auf Dauer an Stabilität verliert. Kariesbakterien haben dann ein leichtes Spiel. Hier kommt Fluorid ins Spiel: Das Salz hilft bei der schnellen Remineralisierung – aber ist in alternativen Zahnpflegemitteln leider nicht zu finden.

Problem Nr. 2: Selbstgemachte Zahnpflegemittel sind nach Augenmaß dosiert

Die Zahnpasta wie wir sie kennen, gibt es schon seit mehr als 100 Jahren. Genug Zeit also, um die Rezeptur stetig weiterzuentwickeln und genau die Inhaltsstoffe zu kombinieren, die Ihre Zähne gesund halten.

Zugegeben: Immer wieder wird festgestellt, dass die ein oder andere Zutat doch nicht so empfehlenswert war – oder dass zu wenig Fluorid enthalten ist, um etwas zu bewirken. Doch im Großen und Ganzen können Sie sichergehen, dass in der Zahnpasta alles seine Ordnung hat.

Wenn Sie dagegen auf Rezepte aus dem Internet vertrauen, können Sie nicht immer sichergehen, dass alles passt. Ob ein Kuchenrezept aus dem Netz stimmt, erfahren Sie spätestens, wenn auch nach einer Stunde Backzeit nur eine klebrige Masse in der Form ist. Ob das Zahnpasta-Rezept stimmt, erfahren Sie erst nach mehreren Monaten, wenn der Zahnschmelz schon beschädigt ist. Und das kann verschiedene Gründe haben, die in den Zutaten liegen.

Problem Nr. 3: DIY kann schnell ins Auge gehen – oder auf den Zahnschmelz

  • Natron: Schleifkörperchen gehören in Zahnpasta. Das ist ganz normal. Doch auch bei herkömmlichen Zahnpflegemitteln kann das schnell gefährlich werden, wenn beispielsweise beim Putzen immer zu fest aufgedrückt wird. Wird in selbstgemachten Mitteln Natron eingesetzt, wird dieses Problem noch einmal verstärkt: Natron ist meist zu grob und kann deshalb leicht den Zahnschmelz abreiben – selbst wenn sie zu den Menschen gehören, die ihre Zähne mit angemessener Sanftheit putzen. Theoretisch könnten Sie aber das Natron vorher fein mahlen oder vor dem Putzen im Mund auflösen, um dieses Problem zu umgehen.
    In dem Zusammenhang: Backpulver ist noch schädlicher für Ihren Zahnschmelz!
  • Kurkuma: Haben Sie schon angegriffenen Zahnschmelz, können kurkumahaltige Zahnpflegemittel Ihre Zähne unschön gelb verfärben, was sich leider auch nicht so schnell wieder beheben lässt. Darüber hinaus ist die entzündungshemmende Wirkung von Kurkuma bisher nur in extrem hohen Dosierungen nachgewiesen – und das bei Versuchs-Nagetieren. Wer empfindlich ist, kann auf Kurkuma zudem mit Verdauungsbeschwerden reagieren.
  • Zitronensäure: Einige Rezepte schwören zusätzlich auf den Saft einer Zitrone. Doch wenn Sie genauer nachdenken, ist auch das eher schädlich als nützlich. Warum sollten Sie Ihren Zahnschmelz absichtlich einer Säure aussetzen, wenn diese ihn doch eigentlich angreift?

Unser Fazit: Selbstgemachte Zahnpflegemittel müssen nicht sein

Wir empfehlen Ihnen, für Ihre Zahnpflege weiterhin auf altbewährte Zahnpasta zu setzen. Schauen Sie sich gerne Testergebnisse an, wenn Sie sich bezüglich der Inhaltsstoffe unsicher sind. Selbstgemachte Zahnpflegemittel schaden Ihren Zähnen eher, als dass sie Ihre Zähne gesund oder sauber halten.

Möchten Sie dennoch lieber auf Selbstherstellung setzen, bitten wir Sie, das in Absprache mit Ihrem Zahnarzt zu tun und regelmäßig überprüfen zu lassen, ob Ihr Zahnschmelz noch in Ordnung ist.