Temperaturempfindliche Zähne: Mögliche Ursachen und 5 Tipps für Betroffene

Ein leckeres Eis vom Italiener oder eine Tasse Tee an Frosttagen: Für viele Menschen bedeutet das nicht Wohlbehagen, sondern Schmerz. Schuld sind temperaturempfindliche Zähne, die übersensibel auf jeden plötzlichen Kälte- oder Wärmereiz reagieren. Was dahintersteckt und wie Sie die Beschwerden wieder los werden, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Temperaturempfindliche Zähne: Jeder Dritte ist betroffen

Schätzungen zufolge leiden mindestens 30 Prozent der Bevölkerung zeitweilig unter temperaturempfindlichen Zähnen. In Fachkreisen nennt man das Phänomen auch „dentine Hypersensitivität“, kurz DHS. Bei vielen Betroffenen löst nicht nur Heißes und Kaltes, sondern auch Süßes oder Saures blitzartig einschießende Schmerzen aus. Mitunter reicht bereits ein scharfer Luftzug.

Ursachen: Wie es zu temperaturempfindlichen Zähnen kommt

Manchmal führen eine undichte Füllung, eine schadhafte Krone oder Zahnkrankheiten wie Karies zu überempfindlichen Zähnen. In diesen Fällen verschwindet die Temperaturempfindlichkeit, sobald der Zahnarzt das Problem behoben hat.

Weitaus häufiger stecken aber keine akuten Zahnprobleme, sondern die folgenden beiden Ursachen dahinter:


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  • freiliegende Zahnhälse durch Zahnfleischschwund
  • Zahnschmelzdefekte

In beiden Fällen kommt das empfindliche Zahnbein (Dentin) frei zu liegen, das sonst von Zahnfleisch oder Zahnschmelz bedeckt wird.

Zahnbein ist von mikroskopisch kleinen Kanälchen durchzogen, den sogenannten Dentin-Tubuli. Diese enthalten feinste Nervenfasern sowie Zellausläufer und schaffen eine Verbindung zwischen Zahnnerv und Außenwelt. Ist der Zahnschmelz defekt oder hat sich das Zahnfleisch im Bereich der Zahnhälse zurückgezogen, dann liegen die Enden der Dentin-Tubuli ungeschützt frei. Das Resultat ist in beiden Fällen dasselbe: Umweltreize können nun ungehindert zum inneren Zahnnerv durchdringen. Dadurch entstehen schmerzempfindliche oder temperaturempfindliche Zähne.

Risikofaktoren: Was temperaturempfindliche Zähne begünstigt

Wie kommt es nun zu Zahnfleischschwund oder Zahnschmelzschäden? Es gibt eine Reihe an Risikofaktoren, die solche Defekte begünstigen und dadurch zu temperaturempfindlichen Zähnen beitragen. Die wichtigsten sind:

  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder Zahnbettentzündung (Parodontitis): Auf bakterielle Angriffe reagiert unser Zahnfleisch mit einer Entzündungsreaktion. Bleibt diese unbehandelt, dann schwillt das Gewebe an und das Zahnfleisch beginnt sich vom Zahn zurückzuziehen. Die Bakterien rücken nach und befallen immer tiefer liegende Bereiche des Zahnbetts. Äußerlich erkennt man den Zahnfleischschwund daran, dass die Zähne optisch „länger“ aussehen.
  • Falsche Zahnputz-Technik: Zwar ist eine gründliche Zahnhygiene wichtig, um bakteriellen Entzündungen und Karies vorzubeugen. Doch eine falsche Zahnputztechnik kann Zahnschmelz und Zahnfleisch in Mitleidenschaft ziehen und so erst recht temperaturempfindliche Zähne fördern. Viele Menschen putzen zu kurz, dafür aber mit deutlich zu viel Druck. Vor allem am Zahnfleischrand wird so der Zahnschmelz abgetragen und das empfindliche Dentin kommt frei zu liegen. Dentin ist weicher als Zahnschmelz und lässt sich daher noch leichter „wegschrubben“. Nicht selten entstehen mit der Zeit Rillen oder Kerben, die der Zahnarzt bereits mit freiem Auge erkennen kann.
  • Zähneknirschen: Viele Menschen knirschen im Schlaf unwillkürlich mit den Zähnen. Beim nächtlichen Malmen entstehen starke Scherkräfte, denen selbst die kräftigsten Zähne auf Dauer nicht Stand halten. Oft wird der Zahnschmelz regelrecht abgesprengt oder es entstehen keilförmige Defekte im Bereich der Zahnhälse.
  • Säurehaltige Speisen und Getränke: Saures Obst, Essig, Limonaden oder Joghurt greifen die äußerste Schicht des Zahnschmelzes an und machen ihn vorübergehend weicher. Wer sich unmittelbar danach auch noch die Zähne putzt, potenziert die Schäden!
  • Bleaching: Temperaturempfindliche Zähne können manchmal auch unmittelbar nach einer Bleaching-Behandlung auftreten. Durch die Auswahl geeigneter Wirkstoffe und Techniken lassen sich die Beschwerden minimieren. Führen Sie Bleaching-Behandlungen daher besser nicht in Eigenregie durch, sondern wenden Sie sich an den Zahnarzt!
  • Zahnersatz: Beim Anbringen von Kronen oder Brücken muss der Zahnarzt häufig gesunde Zähne beschleifen, die als Träger für den Zahnersatz dienen. Auch dadurch kommt es zu lokal begrenzten Zahnschmelzschäden.

Temperaturempfindliche Zähne: 5 Tipps für Betroffene

Bei temperaturempfindlichen Zähnen ist es einerseits wichtig, Risikofaktoren zu vermeiden, die einen weiteren Zahnfleischrückgang oder Zahnschmelzdefekte begünstigen. Andererseits gehören natürlich auch die akuten Schmerzen behandelt, damit Sie wieder lustvoll essen und trinken können. Als Betroffener sollten Sie im Alltag auf Folgendes achten:

1. Verwenden Sie die richtige Zahnbürste

Bei temperaturempfindlichen Zähnen sollten Sie unbedingt zu einer Zahnbürste mit weichen Borsten greifen, um nicht noch mehr Zahnschmelz „wegzuschrubben“. Hilfreich können auch elektrische Zahnbürsten sein, die Sie durch akustische Signale warnen, wenn Sie zu viel Druck ausüben. Tauschen Sie Ihre Zahnbürste bzw. die Bürstenköpfe regelmäßig (spätestens alle 2 bis 3 Monate) aus. Denn beschädigte Borsten können Mikroverletzungen an Zahnfleisch oder Zahnschmelz hervorrufen.

Stehen bei Ihrer Zahnbürste schon nach kurzer Zeit die Borsten ab? Das kann ein Hinweis sein, dass Sie zu kräftig aufdrücken!

2. Putzen Sie Ihre Zähne gründlich und schonend

Putzen Sie sorgfältig, aber mit sanftem Druck und bewegen Sie die Bürste von „Rot“ (Zahnfleisch) in Richtung „Weiß“ (Zahn) – nicht umgekehrt. Falls Sie sich unsicher sind, ob Sie es richtig machen, dann lassen Sie sich die korrekte Putztechnik einmal vom Zahnarzt oder der Zahnprophylaxe-Fachkraft zeigen. Wenn Sie saure Getränke oder Speisen zu sich genommen haben, sollten Sie sich danach nur den Mund ausspülen und mit dem Zähneputzen mindestens eine halbe Stunde warten.

3. Vermeiden Sie Weißmacher-Zahncremes

Aufhellende Zahncremes sind bei temperaturempfindlichen Zähnen ungeeignet. Sie enthalten aggressive Schleifkörper, die nicht nur Verfärbungen abtragen, sondern auch den Zahnschmelz selbst aufrauen und beschädigen können.

4. Benutzen Sie spezielle Pflegeprodukte für temperaturempfindliche Zähne

Frei verkäufliche Zahncremes und Mundspülungen für schmerzempfindliche Zähne können zusammen mit einer schonenden Putztechnik dazu beitragen, dass die Überempfindlichkeit abklingt. Häufig enthalten diese Produkte Mineralien wie Kalzium oder Strontium, die freiliegende Dentin-Tubuli verschließen und dadurch die Reizweiterleitung unterbinden. Auch Fluoride stärken und schützen den Zahnschmelz und tragen so dazu bei, dass sich die natürliche Schutzschicht des Zahnes regeneriert.

5. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten

Temperaturempfindliche Zähne müssen Sie nicht hinnehmen. Ihr Zahnarzt kann nach den genauen Ursachen forschen und diese gezielt behandeln. Freiliegende Zahnhälse lassen sich beispielsweise mit speziellen Kunststoffen oder Lacken versiegeln. Oft führt schon eine einmalige Behandlung zu einem deutlichen Rückgang der Beschwerden!

Größere Defekte in der Zahnsubstanz verschließt der Zahnarzt häufig mit sogenannten Komposit-Materialien. Diese Füllmaterialien schützen schmerzempfindliche Bereiche und stellen das ursprüngliche Erscheinungsbild des Zahnes wieder her.

Bei starkem Zahnfleischschwund sind auch chirurgische Eingriffe möglich. Dabei werden die freiliegenden Zahnhälse mit körpereigenem oder künstlichem Zahnfleisch überzogen, die Zähne erhalten so Ihren natürlichen Schutz zurück. Auch das ästhetische Erscheinungsbild verbessert sich, denn viele Betroffene stören die optisch „langen Zähne“, die mit einem Zahnfleischschwund einhergehen.

Fast immer findet sich eine geeignete Lösung, damit Sie als Betroffener wieder schmerzfrei essen und trinken können. Zögern Sie daher nicht, das Problem „temperaturempfindliche Zähne“ beim nächsten Zahnarzt-Besuch anzusprechen!

Fotoquelle Titelbild: © Antonio Guillem/Shutterstock