Die wahrscheinlich älteste Zahnfüllung der Welt haben Forscher bei einem archäologischen Fund in Norditalien entdeckt: eine Mischung aus Erdharz, Pflanzenfasern und menschlichen Haaren. Damit hat ein „Steinzeit-Zahnarzt“ vor rund 13.000 Jahren kariesdurchlöcherte Zähne verschlossen. Heute steht uns zum Glück ein ganzes Arsenal modernster Materialien zur Verfügung. Lesen Sie hier, welche Arten von Zahnfüllungen es gibt und wie der Zahnarzt für jeden Patienten die passende Lösung findet.

Wann braucht man eine Zahnfüllung?

Mit einer Zahnfüllung kann der Zahnarzt „Löcher“ im Zahn versiegeln oder andere Defekte an der Zahnsubstanz beheben. Das ist wichtig, um weiteren Schäden vorzubeugen und die normale Kaufunktion sicherzustellen. Umgangssprachlich nennt man Zahnfüllungen auch Plomben. Für eine Füllungstherapie muss noch ausreichend gesunde Zahnsubstanz vorhanden sein. Sind große Bereiche des Zahnes zerstört, wird der Zahnarzt eher eine Krone anbringen.

Verantwortlich für die zu behandelnden Zahn-Defekte ist in den meisten Fällen Karies. Haben Karies-Bakterien ein Loch in den Zahn gefressen, dann muss der Zahnarzt die befallene Stelle zunächst akribisch sauber bohren. Erst wenn das erkrankte Zahnmaterial restlos entfernt ist, wird das entstandene Loch mit einer Zahnfüllung verschlossen.

Zahnfüllungen: Welche Arten gibt es?

Grundsätzlich hat der Zahnarzt bei Zahnfüllungen zwei Möglichkeiten: Er kann weiche, formbare Füllmaterialien in das Loch einbringen, die erst danach aushärten – man spricht auch von plastischen Füllungen. Oder er fertigt eine feste Füllung im Labor an und passt sie anschließend in den Zahn ein. Das sind die sogenannten Einlagefüllungen oder Inlays.

Plastische Füllungen sind kostengünstiger und haben den Vorteil, dass weniger Zahnsubstanz abgetragen werden muss. Sie können sich aber mit der Zeit abnutzen und kaputt gehen oder herausfallen. Einlagefüllungen sind aufwendiger und teurer in der Herstellung, dafür aber meist länger haltbar.

Plastische Füllmaterialien

Amalgam: Der kostengünstige Klassiker

Amalgam zählt zu den ältesten zahnärztlichen Werkstoffen. Es handelt sich um eine Mischung aus den Metallen Silber, Quecksilber, Kupfer und Zinn. Amalgam lässt sich im weichen Zustand unkompliziert verarbeiten. Einmal ausgehärtet, ist es robust und langlebig und daher auch für größere Defekte an den Kauflächen geeignet. Die silber-schwarze Farbe wirkt allerdings nicht sehr ästhetisch. Weil Amalgam kostengünstig ist, zählt es in der gesetzlichen Krankenversicherung zur Regelversorgung für Backenzähne.

Viele Patienten sorgen sich wegen des enthaltenen Quecksilbers. Eine Gesundheitsgefährdung durch Amalgam-Zahnfüllungen konnte bis jetzt zwar nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Trotzdem hat die Europäische Union die Verwendung von Amalgam nun per Verordnung eingeschränkt. Seit Juli 2018 sollen Amalgam-Füllungen bei Kindern, schwangeren und stillenden Patientinnen vorsichtshalber nicht mehr verwendet werden.

Komposit: Die diskrete Lösung

Komposit-Füllungen sind besser bekannt als Kunststoff-Füllungen. Dabei bestehen sie nur zu etwa 20 Prozent aus Kunststoff, 80 Prozent des Materials machen feinst vermahlene Quarz- und Glaspartikel aus. Sie bewirken, dass Komposit-Füllungen im ausgehärteten Zustand vergleichsweise formstabil und langlebig sind. Ihr großer Vorteil ist, dass sie zahnfarben und damit wesentlich diskreter als Amalgam-Füllungen sind. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt Komposit-Füllungen für Behandlungen im Frontzahnbereich.

Bei kleinen Defekten kann der Zahnarzt das weiche Füllmaterial in nur einem Arbeitsschritt in den Zahn einbringen und anschließend mit einem speziellen Licht behandeln, damit es aushärtet. Bei etwas größeren Defekten wendet er das sogenannte Mehrschichtverfahren an. Dabei trägt er Schritt für Schritt mehrere dünne Schichten des Füllmaterials auf, die nacheinander fest werden müssen. Das soll verhindern, dass das Material beim Aushärten schrumpft und zwischen Zahn und Zahnfüllung ein kleiner Spalt entsteht, in dem sich später wieder Karies bilden könnte.

Glasionomer-Zement: Das Provisorium

Glasionomer-Zement wurde speziell für zahnärztliche Behandlungen entwickelt. Es enthält Fluorid, welches nach und nach aus der Zahnfüllung freigesetzt wird. Das schützt vor einer neuerlichen Karies-Entwicklung an den Füllungsrändern.

Zementfüllungen brechen allerdings leicht und sind daher nicht als Dauerlösung gedacht. Der Zahnarzt verwendet sie hauptsächlich als Übergangslösung für Patienten, die eine Einlagefüllung bekommen sollen, oder bei Kindern im Milchgebiss.

Einlagefüllungen (Inlays)

Gold: Unübertroffen in Sachen Haltbarkeit

Zahnfüllungen aus Gold sind jahrzehntelang haltbar und sehr gut verträglich, Allergien gegen das Edelmetall sind nicht bekannt. Das Material lässt sich gut verarbeiten und schmiegt sich lückenlos an die Zahnoberfläche an, was wichtig ist, damit sich in der Randspalte nicht neuerlich Karies bildet. Der Zahnarzt setzt die Goldfüllung übrigens nicht in einem Stück ein, sondern trägt Schicht um Schicht eine hauchdünne Goldfolie auf.

Trotz seiner ausgezeichneten Materialeigenschaften kommt Gold als Zahnfüllung eher selten zum Einsatz. Der Grund dafür ist neben dem stolzen Preis vor allem die unübersehbar metallische Farbe.

Keramik: Für höchste ästhetische Ansprüche

Der Rolls Royce unter den Füllmaterialien ist derzeit Keramik. Das Material besticht durch sein absolut natürliches Aussehen, man kann es farblich exakt an die Zähne des Patienten anpassen. Keramik eignet sich daher auch für Füllungen im Frontzahnbereich. Darüber hinaus sind Keramik-Inlays bestens bioverträglich, beeinträchtigen den Geschmackssinn nicht und leiten Temperaturreize nicht an den Zahnnerv weiter.

Allerdings ist die Herstellung eines Keramik-Inlays relativ aufwendig, was sich auch im Preis niederschlägt. Die Behandlung erfordert normalerweise zwei Termine. Beim ersten Termin nimmt der Zahnarzt einen Abdruck und verschließt das Loch mit einer provisorischen Füllung. Der Abdruck dient anschließend als Vorlage für den Zahntechniker, der die Zahnfüllung im Labor in einem aufwendigen Verfahren anfertigt. Beim zweiten Termin setzt der Zahnarzt die Keramikfüllung ein und passt sie gegebenenfalls noch an.

Dank neuester Digitaltechnik ist es seit einiger Zeit möglich, Keramikfüllungen zeitsparend in nur einem Behandlungstermin einzusetzen. Dabei nimmt eine computergestützte Messkamera einen „digitalen Abdruck“ des Zahnes und leitet die Daten an ein Computerprogramm weiter. Der Computer berechnet die exakte Form der Zahnfüllung, anschließend wird das Inlay vollautomatisch aus einem Keramikblock herausgefräst.

Welche Zahnfüllung für welchen Zweck?

Welches Füllmaterial das beste ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn das hängt vor allem vom Einsatzzweck ab:

  • Bei größeren Defekten im Backenzahnbereich muss das Füllmaterial besonders stabil und belastbar sein, damit es den hohen Kaukräften standhält. Geeignet sind in erster Linie Amalgam-Füllungen und Einlagefüllungen aus Gold oder Keramik.
  • Für kleinere Defekte im Backenzahnbereich kann der Zahnarzt auch die im Vergleich etwas weniger robusten Komposit-Füllungen verwenden.
  • Im Frontzahnbereich muss eine Zahnfüllung neben medizinischen vor allem ästhetische Ansprüche erfüllen. Gut geeignet sind Komposit-Füllungen sowie Füllungen aus Keramik oder Glasionomer-Zement.Die Haltbarkeit einer Zahnfüllung hängt übrigens auch von der Pflege ab. Penible Zahnhygiene ist der beste Schutz davor, dass die Plombe schon nach wenigen Jahren herausfällt oder ausgetauscht werden muss.

Die Haltbarkeit einer Zahnfüllung hängt übrigens auch von der Pflege ab. Penible Zahnhygiene ist der beste Schutz davor, dass die Plombe schon nach wenigen Jahren herausfällt oder ausgetauscht werden muss.

 

Fotoquelle Titelbild: © Fabio Balbi/shutterstock