Die gute alte Zahnbürste hat Gesellschaft bekommen: In den Regalen der Drogeriemärkte reihen sich Zahnseide, Mundwasser, Munddusche, Zungenschaber und zahlreiche weitere Utensilien neben ihr ein. Doch muss man das wirklich alles benutzen? Welche Zahnpflege-Hilfsmittel sinnvoll sind und was Luxus oder gar schädlich ist, klären wir in diesem Artikel.

Zahnpflege: Warum die Zahnbürste nur ein grobes Hilfsmittel ist

Zweimal täglich zwei Minuten Zähneputzen: So sieht die durchschnittliche Zahnpflege-Routine in vielen deutschen Badezimmern aus. Wirklich sauber werden die Zähne dadurch nicht. Denn mit der Zahnbürste kommen wir leider nur an die freien Flächen unserer Zähne heran, die Zahnzwischenräume bleiben von den Borsten verschont. Und diese Zwischenräume können bis zu 30 Prozent der gesamten Zahnoberflächen ausmachen! Es ist, als ob Sie mit einem viel zu großen Besen einen verwinkelten Raum kehren: Auch wenn Sie sich noch so anstrengen, sammelt sich in sämtlichen Ecken und Ritzen Staub und Schmutz.


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In unseren Zahnzwischenräumen indes sammeln sich Essensreste, die zusammen mit Speichel und Bakterien einen klebrigen Belag bilden, den sogenannten Plaque. Wird dieser nicht regelmäßig entfernt, dann können sich die Bakterien darin ungestört vermehren und mit ihren Stoffwechselprodukten Zahnschmelz und Zahnfleisch angreifen.

Zahnseide: Was bringt sie wirklich?

Genau deshalb empfehlen Zahnärzte schon seit jeher, einmal täglich Zahnseide zur Reinigung der Zahnzwischenräume zu verwenden. Doch in den letzten Jahren ist dieser Tipp etwas in Verruf geraten. Vor allem im Internet finden sich kritische Artikel, in denen Zahnseide als nutzlos oder gar schädlich bezeichnet wird. Das hat zahlreiche Anwender verunsichert.

Fakt ist: Es gibt derzeit zu wenig wissenschaftliche Belege dafür, dass Zahnseide zur Vorbeugung von Zahnerkrankungen wirklich nützt. Das liegt daran, dass die bestehenden Studien von schlechter Qualität sind. Es wurden zu wenige Personen über einen zu kurzen Zeitraum hinweg beobachtet. Die Ergebnisse dieser Studien erfüllen daher nicht die strengen wissenschaftlichen Standards. Es gibt andererseits auch keine Belege dafür, dass Zahnseide wirkungslos ist!

Die deutsche Bundeszahnärztekammer empfiehlt ihre Verwendung daher weiterhin. Auch die praktische Erfahrung von Zahnärzten spricht dafür: So können wir beobachten, dass Karieso bei Erwachsenen vor allem in den Zahnzwischenräumen auftritt, wesentlich seltener an den freien Flächen der Zähne. Deshalb brauchen die Bereiche zwischen unseren Zähnen mehr Aufmerksamkeit. Mit Zahnseide gelingt es, auch diese schwer zugänglichen Stellen von Belägen zu reinigen.

Erhältlich ist Zahnseide (die übrigens aus Kunstfaser besteht) in gewachster oder ungewachster Form. Die ungewachste Variante quillt im Mund stärker auf und entfernt so Beläge effektiver, die gewachste Variante ist aber einfacher in der Handhabung. Darüber hinaus gibt es bereits vorgeschnittene, aufgespannte Fäden mit einem flauschigen oder stärkeren Mittelteil („Superfloss“). Sie sind ideal zur Reinigung größerer Zwischenräume oder den Bereichen unter Zahnspangen, Implantaten und Brücken.

Gibt es Alternativen zu Zahnseide?

Manche Menschen kommen mit Zahnseide nicht gut zurecht, denn das Hantieren mit ihr erfordert etwas Geschick und Feingefühl. Hängt Ihre Zahngesundheit am sprichwörtlichen seidenen Faden, wenn Sie auf eben diese verzichten? Zum Glück gibt es zur Reinigung der Zahnzwischenräume ein weiteres effektives Hilfsmittel: Interdentalbürstchen.

Diese Bürstchen sehen wie ein „Mini-Flaschenreiniger“ aus und erfüllen prinzipiell den gleichen Zweck wie Zahnseide: Ihre zarten Borstenbüschel dringen in den Bereich zwischen den Zähnen ein und entfernen die dort anhaftenden Beläge.

Was effektiver ist – Zahnseide oder Interdentalbürstchen – lässt sich nicht pauschal sagen, denn das hängt auch von der Größe der Zwischenräume ab. Vor allem bei jungen Menschen stehen die Zähne oft so eng zusammen, dass mit Interdentalbürstchen nicht viel auszurichten ist. Mit zunehmendem Alter vergrößern sich die Zwischenräume aber meist, und dann können Interdentalbürstchen sogar effektiver sein, weil sich mit ihnen auch „um die Ecke“ putzen lässt. Besonders empfehlenswert sind sie für Parodontitis-Patienten. Auch Zahnspangen- oder Implantat-Träger können von den kleinen Bürstchen sehr profitieren.

Interdentalbürstchen gibt es in mehreren Formen, Ausführungen und Stärken, die für unterschiedlich große Zahnzwischenräume geeignet sind.

Brauche ich weitere Zahnpflege-Utensilien?

Im Fachhandel findet sich eine Reihe weiterer Zahnpflege-Produkte. Die bekanntesten stellen wir Ihnen hier kurz vor:

Zungenschaber

Neben der eigentlichen Zahnpflege kann es auch sinnvoll sein, die Zunge einmal täglich von Belägen zu reinigen. Denn auf ihrer rauen Oberfläche nisten sich gerne Bakterien ein, die unter anderem für Mundgeruch verantwortlich sind. Prinzipiell können Sie zur Zungenreinigung auch eine weiche Zahnbürste verwenden. Viele Menschen empfinden Zungenschaber aber gerade im hinteren Bereich der Zunge als angenehmer, weil sie flacher sind und daher keinen Würgereiz hervorrufen.

Mundwasser und Mundspülungen

Hier ist es wichtig, ein paar Unterscheidungen zu treffen:

  • Mundwasser ist beliebt: Einmal kräftig gegurgelt, und schon fühlt man sich erfrischt. Doch dieses Gefühl kann trügerisch sein! Denn Mundwasser enthält erfrischende Essenzen wie Minze oder Menthol, aber keine eigentlichen Wirkstoffe. Es kann schlechte Gerüche nur kurzzeitig überdecken, beseitigt aber nicht ihre Ursachen.
  • Kariesvorbeugende Mundspülungen enthalten dagegen Wirkstoffe wie Zinnfluorid oder Aminfluorid, die Zahnbelägen vorbeugen und bestehende Beläge lockern. Sie tun das aber nicht so effektiv wie Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürstchen. Sinnvoll können sie in manchen Situationen trotzdem sein: Etwa wenn die Möglichkeit fehlt, sich die Zähne zu putzen, oder zur unterstützenden Zahnpflege bei älteren und behinderten Menschen. Empfehlenswert sind diese Spülungen auch für Träger von festsitzenden Zahnspangen sowie für Patienten mit Parodontitis oder freiliegenden Zahnhälsen. Allerdings nicht statt, sondern zusätzlich zur normalen Zahnpflege-Routine!
  • Medizinische Mundspülungen enthalten keimtötende Wirkstoffe, in der Regel Chlorhexidin. Diese Substanz tötet nachweislich Bakterien ab, die Karies oder Parodontitis hervorrufen. Der Wirkstoff kann aber nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien unterscheiden und beeinträchtigt daher auch die eigentlich gesunde Mundflora! Auf Dauer kann er außerdem zu Verfärbungen an den Zähnen führen, die sich durch eine professionelle Zahnreinigung aber entfernen lassen. Es spricht nichts gegen eine kurzzeitige Anwendung, wenn sich Ihr Zahnfleisch leicht entzündet hat. Längerfristig sollten Sie medizinische Mundspülungen aber nur verwenden, wenn Ihr Zahnarzt es Ihnen empfiehlt.

Mundduschen

Als Mundduschen bezeichnet man Geräte, die mithilfe eines Wasserstrahls Essensreste oder Zahnbeläge entfernen sollen. Sie können das aber nur, wenn die Beläge zuvor gelockert wurden. Schließlich sind diese Geräte kein Hochdruckreiniger! Mundduschen taugen daher bestenfalls als zusätzliches Zahnpflege-Hilfsmittel, Zahnbürste & Co können sie nicht ersetzen.

Zahnpflege-Utensilien: Richtige Anwendung entscheidet über den Erfolg

Ob Zahnseide, Interdentalbürstchen oder Mundspülungen: Was nützlich ist, kann bei falscher Anwendung auch Schaden anrichten. Falls Sie sich unsicher sind, ob Sie bei Ihrer täglichen Zahnpflege alles richtig machen, dann sprechen Sie doch beim nächsten Kontrolltermin Ihren Zahnarzt oder Ihre Zahnprophylaxe-Fachkraft an!

 

Fotoquelle Titelbild: © shutterstock / Jacob Lund