Hier noch eine Versicherung, da noch eine Versicherung – und schon wächst die Summe, die Sie monatlich investieren, in ganz beachtliche Höhen. Da kommt schnell die Frage auf: Brauche ich auch noch eine Zahnzusatzversicherung? Schließlich übernimmt die Krankenkasse ja schon einiges, das sollte reichen. Ob es das wirklich tut, erfahren Sie in diesem Beitrag.

 

Gehen wir das Thema Zahnzusatzversicherung einmal ganz ausführlich durch und sehen uns zunächst an, was die gesetzliche Krankenkasse denn tatsächlich an Kosten trägt:

  • Zweimal pro Jahr eine Kontrolluntersuchung
  • Einmal pro Jahr eine Zahnsteinentfernung
  • Parodontitis-Früherkennung
  • Zahnfüllungen
  • Wurzelbehandlung
  • Parodontitisbehandlung
  • Zahnersatz im Rahmen der Regelversorgung

„Schön“, denken Sie jetzt vielleicht, „das ist doch schon alles, was ich brauche.“ Leider ist dem nicht so, denn es gibt vor allem beim Zahnersatz gewisse Einschränkungen – erkennbar am großen Wort „Regelversorgung“. Die beinhaltet nur ausreichende, zweckmäßige Reparaturen am Gebiss und das heißt, dass es sich meist nur um die billigste Lösung handelt, die noch vertretbar ist: Keine Edelmetalle, je nach Sichtbarkeit gar keine oder nur teilweise Verblendung und lieber eine Zahnbrücke statt Implantaten.

Das übernimmt Ihre Krankenkasse konkret

Für die Kosten dieser Behandlungen wird ein Durchschnitt ermittelt, den die Krankenkasse dann zur Hälfte übernimmt. Mit Bonusheft steigt dieser Zuschuss auf 60 bzw. 65 %. Im Oktober 2020 steigt der Zuschuss durch die jährliche Anpassung auf 60 % – mit regelmäßig ausgefülltem Bonusheft sogar auf bis zu 75 %. Übersteigen Ihre Behandlungskosten diesen Durchschnittswert, müssen Sie die Mehrkosten übrigens auch tragen. Im Härtefall können Sie die vollständige Übernahme beantragen. Das wäre beispielsweise möglich, wenn Sie nur über ein geringes monatliches Einkommen verfügen (d.h. weniger als 1274 Euro) oder Sozialhilfen beziehen. Konkret würde das so aussehen:

Sagen wir, für einen einfachen Zahnersatz fallen 700 Euro an. Mit normalem Zuschuss zahlen Sie ab Oktober 2020 davon nur noch 280 Euro. Mit Bonusheft sogar nur 210 bzw. 175 Euro.

Das scheint also noch durchaus vertretbar. Doch je nach Zahnersatz kann der Eigenanteil gut und gerne schon einmal beachtlich steigen:

Wenn für ein Implantat mit Keramikkrone 3000 Euro anfallen, dürfen Sie trotz Zuschuss noch bis zu 1200 Euro hinblättern. Wäre das auch noch finanziell vertretbar?

Ein Bonusheft kann also schon eine große Stütze sein – doch wenn die Kosten in den dreistelligen Bereich steigen oder Sie Behandlungen über die Regelversorgung hinaus in Anspruch nehmen möchten, ist eine Zahnzusatzversicherung eine gute Option.

Wann lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung als Ergänzung zur Krankenkasse?

Manche Menschen haben einfach Glück und kennen Zahnprobleme nur vom Hörensagen. Andere dagegen haben schon Brücken, Kronen, Füllungen, Wurzelbehandlungen und Parodontitis hinter sich. Wenn Sie überlegen, die Leistung Ihrer Krankenkasse mit einer Zahnzusatzversicherung zu erweitern, sollten Sie Ihre Zahngesundheit in Erwägung ziehen. Erfreuen sich Ihre Zähne bester Gesundheit und sind Sie mit den Leistungen der Krankenkasse zufrieden, können Sie auf eine Zahnzusatzversicherung verzichten und privat Geld für Zahnersatz zur Seite legen. Ist Ihnen jedoch klar, dass für Ihre Zähne in den nächsten Jahren immer wieder Reparaturen anstehen oder ist Ihnen die Ästhetik des Zahnersatzes besonders wichtig, sollten Sie über eine Zahnzusatzversicherung nachdenken.

Das sollten Sie bei der Zahnzusatzversicherung beachten

Wie auch bei anderen Versicherungen ist es hier wichtig, sich vorher gründlich zu informieren und zu vergleichen. Folgendes sollten Sie wissen:

  • Schließen Sie die Versicherung möglichst in jungen Jahren und noch bei gesunden Zähnen ab. Das ermöglicht Ihnen meist ein größeres Übernahmespektrum, wenn Sie später Leistungen in Anspruch nehmen möchten oder müssen.
  • Schauen Sie genau hin, welche Leistungen die Versicherung anbietet. Schließlich bringt es Ihnen wenig, wenn Sie beispielsweise ein Inlay möchten und erst dann erfahren, dass dieser Ersatz aufgrund der hohen Kosten gar nicht übernommen wird.
  • Achten Sie darauf, dass die meisten Zahnzusatzversicherungen Wartezeiten haben, bis Sie die vollen Leistungen in Anspruch nehmen dürfen. Es kann auch sein, dass die ersten Leistungen erst bis zu acht Monate nach Vertragsbeginn gewährt werden, und der volle Leistungsumfang nach weiteren fünf Jahren. Damit schützen sich Zahnzusatzversicherungen davor, Zahnschäden sofort zu Vertragsbeginn übernehmen zu müssen.
  • Seien Sie sich bewusst, dass Sie auch mit einer Versicherung nicht von einer vollständigen Kostenübernahme profitieren. Meist werden nur 80-90 % übernommen.
  • Verzichten Sie bei der Beantragung auf falsche Angaben, was Ihre Zahngesundheit betrifft. Denn wenn die erste Rechnung ins Büro der Versicherung flattert und diese die Behandlung überprüft, wird Ihr Betrug ganz schnell deutlich – und Sie bleiben auf den Kosten sitzen.

So profitieren Sie von einer Zahnzusatzversicherung

Das wichtigste über Krankenkasse und Zahnzusatzversicherung wissen Sie nun. Nehmen wir jetzt an, Sie haben eine gute Versicherung gefunden, die all Ihre Wünsche und Ansprüche erfüllt. Und das mit 90 % Übernahme. Was kann die Ihnen im Vergleich zum Kassen-Regelsatz bieten? Für das Implantat aus dem vorangegangenen Beispiel müssten Sie jetzt statt 1200 nur noch 300 Euro zahlen. Und um es ganz auf die Spitze zu treiben: Eine Brücke auf acht Implantatpfeilern, die im besten Fall 14000 Euro kosten würden, könnte auf 1400 Euro zusammenschrumpfen.

Sie sehen also: Besonders bei kostspieligen Behandlungen lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung und hat gegenüber den Leistungen der Krankenkasse einen enormen Vorteil. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Zahnarzt darüber, wie er Ihre Zahngesundheit einschätzt und ob mit großen Eingriffen oder Zahnersatz gerechnet werden muss. Lassen Sie sich vor teuren Behandlungen einen Kostenvoranschlag machen und holen Sie sich im Zweifelsfall eine Zweitmeinung ein, um hohen oder gar unnötigen Kosten aus dem Weg zu gehen. Ist Ihnen der Zahnersatz dennoch zu teuer, können Sie auch über eine Ratenzahlung nachdenken. So müssen Sie in keinem Fall auf die billigste Lösung zurückgreifen, die Ihnen einige Zeit später schon die nächsten Probleme bereitet.