„Hilfe, ein Zahn wackelt!“ – Lockere Zähne zählen zu den häufigsten Beschwerden, mit denen sich Menschen ab der Lebensmitte an den Zahnarzt wenden. Doch wie kommt es dazu und kann man Wackelzähnen vorbeugen? Erfahren Sie hier, was die wahren Ursachen für lockere Zähne sind und wie Sie vermeiden, dass Ihnen Ihr fester Biss abhanden kommt.

Was gesunden Zähnen festen Halt verleiht

Im Idealfall sitzen unsere Zähne fest im Mund und werden selbst mit knackigem Obst oder klebrigen Kaubonbons mühelos fertig. Dafür sorgt der Zahnhalteapparat, der aus verschiedenen Strukturen besteht:

Das Fundament stellt der Kieferknochen dar. Er besitzt Ausbuchtungen, in denen die Zahnwurzeln verankert sind, Mediziner nennen sie auch Alveolen. Zwischen Kiefer und Zahnwurzel befindet sich ein mikroskopisch kleiner Spalt, der von Fasern durchzogen ist. Diese Haltefasern legen sich wie eine Manschette um den Zahn und befestigen ihn straff, aber doch elastisch am Knochen. Weiter oben ist der Zahnhals von Zahnfleisch umschlossen. Auch in diesem Bereich verleihen dünne Fasern dem Zahn festen Halt.

Wird ein Zahn locker, so kann das verschiedene Gründe haben. Oft ist nicht der Zahn selbst in Mitleidenschaft gezogen, sondern der umgebende Zahnhalteapparat oder der Kieferknochen! Schuld daran sind in erster Linie Zahnkrankheiten, Unfälle, kieferchirurgische Eingriffe oder lang andauernde Fehlbelastungen.

Lockere Zähne nach Unfällen

Eine mögliche Ursache für einen losen Zahn ist ein Zahnunfall. Bei heftigen äußeren Gewalteinwirkungen kann ein Zahn entweder komplett ausbrechen – oder die Haltefasern werden derart geschädigt, dass der Zahn wackelt. Betroffen sind meist die Frontzähne. Vor allem bei jungen Erwachsenen und bei Ball- oder Kampfsportlern sind Zahnunfälle eine häufige Ursache für lockere Zähne. Je nach Ausmaß des Schadens kann sich der Zahn wieder festigen. Wichtig ist, sich in dieser Situation sofort an den Zahnarzt oder einen zahnärztlichen Notdienst zu wenden.


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Lockere Zähne durch Parodontitis

Sehen Sie beim Zähneputzen häufig rot? Dann könnten auch Sie bald von lockeren Zähnen betroffen sein! Wiederholtes Zahnfleischbluten ist nämlich ein eindeutiges Warnsignal für eine Zahnfleischentzündung. Diese wiederum stellt die erste Stufe einer Parodontitis dar, umgangssprachlich auch als Parodontose bekannt.

Bei einer Parodontitis entzünden sich Zahnfleisch, Zahnhalteapparat und später auch der Kieferknochen. Schuld daran sind Bakterien, die sich vor allem im Zahnbelag wohlfühlen. In der ersten Phase zieht sich das Zahnfleisch mehr und mehr zurück und legt den Zahnhals frei. Die Zahnhaltefasern werden geschädigt und zerfallen, teils bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen. Unbehandelt greift die Entzündung schließlich auf den Kieferknochen über. Baut sich auch der Knochen ab, dann verlieren die Zähne ihre Verankerung und können schlussendlich ausfallen.

Eine unbehandelte Parodontitis ist die mit Abstand wichtigste Ursache für lockere Zähne bei Erwachsenen! Trotzdem wird die Erkrankung oft unterschätzt. Tückisch ist, dass Betroffene im Anfangsstadium nicht immer Beschwerden haben. Umso wichtiger sind die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Eindeutiger Handlungsbedarf besteht jedenfalls bei folgenden Anzeichen:

  • Zahnfleischbluten
  • Gerötetes Zahnfleisch
  • “Länger“ aussehende Zähne (weil sich das Zahnfleisch zurückzieht)
  • Zahnschmerzen beim Aufbeißen
  • Bildung von Zahnfleischtaschen
  • Mundgeruch
  • Schlechter Geschmack im Mund
  • Eitriges Sekret am Zahnfleischrand
  • Zahnverschiebungen: Sie können nicht mehr wie gewohnt zubeißen oder der Zahnersatz sitzt plötzlich schlecht.

Lockere Zähne durch nächtliches Zähneknirschen

Manche Menschen leisten im Schlaf Schwerstarbeit. Beim nächtlichen Zähneknirschen – einem häufigen Stresssymptom – können Kräfte von 70 kg und mehr auf die Zähne einwirken! Das ist weitaus mehr Druck, als beim normalen Kauen entsteht. Auf Dauer bleibt diese Überlastung nicht ohne Folgen: Neben dem Zahnschmelz werden auch die Zahnhaltefasern stark beansprucht, das Stützgerüst für die Zähne baut sich nach und nach ab. Leider geschieht das Zähneknirschen im Schlaf völlig unbewusst, oft ohne dass Betroffene etwas bemerken. Der Zahnarzt kann die Überlastung aber an den typischen Schliffspuren am Zahnschmelz erkennen. Durch spezielle Aufbissschienen aus Kunststoff lässt sich der Schaden zumindest in Grenzen halten.

Lockere Zähne durch mangelhaften Zahnersatz

Dauerhaft überlastet wird der Zahnhalteapparat auch dann, wenn Kronen oder Brücken schlecht sitzen. Durch einen fehlerhaften Gebissschluss wird beständig Druck auf die Zahnhaltefasern ausgeübt. Über Monate oder Jahre hinweg führt das unweigerlich zu Schäden. Schmerzen, aber auch lockere Zähne können die Folge sein. Durch moderne Diagnose-Verfahren bei der Anfertigung von Zahnersatz sind diese Probleme aber weitgehend vermeidbar.

Lockere Zähne nach einer Wurzelbehandlung

Manchmal muss der Zahnarzt einen Teil der Zahnwurzel entfernen, um einen im Wurzelbereich entzündeten Zahn zu retten. Im Fachjargon nennt man diese Behandlung auch Wurzelspitzenresektion. Dadurch lässt sich vermeiden, dass der Zahn gezogen werden muss. Doch der wurzelbehandelte Zahn ist in der Folge auch nicht mehr so gut im Kieferknochen verankert. Eine Lockerung von Zähnen ist eine Nebenwirkung, die nach einer Wurzelspitzenresektion auftreten kann, aber nicht muss.

Doch auch hier gibt es wirksame Abhilfe: Durch Titanstifte, sogenannte intradentale Implantate, kann der Zahnarzt den wurzelbehandelten Zahn im Knochen fixieren.

Lockere Zähne durch Knochenschwund

Zahnverlust kann ansteckend sein. Ja, Sie haben richtig gelesen: Wenn ein Zahn oder mehrere Zähne ausfallen, erhöht das das Risiko, dass sich auch weitere Zähne lockern. Der Grund ist, dass sich unsere Knochen zurückbilden, sobald sie nicht mehr belastet werden. Fehlt ein Zahn, dann fehlt auch der Druck auf den Kieferknochen – für den Körper fälschlicherweise ein Signal, dass der Knochen an dieser Stelle nicht mehr benötigt wird. Die dadurch ausgelösten Abbauprozesse führen dazu, dass auch benachbarte Zähne an Halt verlieren.

Eine Zahnlücke sollte daher immer geschlossen werden – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch, um die anderen Zähne zu schützen. Die moderne Zahnmedizin bietet hier viele Möglichkeiten und die oft gefürchtete Zahnprothese ist längst nicht mehr die einzige Option.

So vermeiden Sie Wackelzähne

Wir alle wünschen uns gesunde, feste Zähne, die uns bis ins hohe Alter einen kräftigen Biss und ein strahlendes Lächeln erlauben. Dazu können Sie selbst Ihren Teil beitragen: Eine gründliche, regelmäßige Zahnhygiene ist die wichtigste Voraussetzung, um von Zahnkrankheiten wie Parodontitis – und damit von lockeren Zähnen – verschont zu bleiben.

Doch nicht immer sind Zahnbürste, Zahnseide und Mundspülung ausreichend, um den Krankheitserregern im Mund Herr zu werden. Gönnen Sie Ihren Zähnen daher ein oder zweimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung und lassen Sie Ihren Zahnarzt bei dieser Gelegenheit einen Blick auf Zähne und Zahnfleisch werfen. Zahnfleischentzündungen sind im Anfangsstadium nämlich sehr gut behandelbar! Anders als in der Generation unserer Großeltern sind lockere Zähne heute längst kein Schicksal mehr, das Sie im besten Alter einfach hinnehmen müssen.

 

Fotoquelle Titelbild: © shutterstock / Kaponia Aliaksei