Während Kinderhaut glatt und faltenlos ist, haben Kinderzähne oft tiefe Rillen und Furchen. Damit sich dort keine Karies-Bakterien sammeln, empfehlen Zahnärzte oft die Zähne zu versiegeln. Doch wann ist das wirklich sinnvoll und in welchen Fällen kann man darauf verzichten? Lesen Sie hier alles über Vorteile, Nutzen und mögliche Risiken einer Zahnversiegelung.

Zähne versiegeln – was versteht man darunter?

Die Kauflächen unserer Backenzähne gleichen einer Gebirgslandschaft: Sie haben Erhebungen und Höcker, die durch „Talfurchen“ voneinander getrennt sind. Bei manchen Menschen ist diese Landschaft sehr zerklüftet, bei anderen weniger. Problematisch sind vor allem tief eingezogene Furchen, die der Zahnarzt auch „Fissuren“ nennt: Sie sind mit den Borsten der Zahnbürste schwer zu erreichen, daher sammeln sich in ihnen häufig Speisereste und Zahnbelag an. Das ruft in der Folge Karies-Bakterien auf den Plan, die in diesen Nischen ideale Lebensbedingungen vorfinden.

Vor allem bei Kindern entsteht Karies bevorzugt von den Fissuren aus. Um das zu verhindern, kann der Zahnarzt die Zähne versiegeln. Er gießt dabei die Rillen und Furchen mit einer speziellen Kunststoff-Füllung aus und ebnet so die „Gebirgslandschaft“ etwas ein. Dadurch ist der Zahn besser zu reinigen und Karies-Bakterien haben nicht mehr so leichtes Spiel. Der Eingriff ist schmerzfrei und in der Regel innerhalb weniger Minuten erledigt.

Üblicherweise führt man den Eingriff durch, unmittelbar nachdem die bleibenden Backenzähne vollständig durchgebrochen sind. Denn der Zahnschmelz dieser jungen Zähne ist noch nicht so widerstandsfähig, sie sind daher besonders kariesgefährdet.

Nutzen ist wissenschaftlich belegt

Eine Zahnversiegelung, auch Fissurenversiegelung genannt, ist somit eine vorbeugende Maßnahme, die das Entstehen von Karies verhindern soll. Die Wirksamkeit der Methode ist wissenschaftlich gut dokumentiert: Eine systematische Auswertung zahlreicher Studien hat gezeigt, dass versiegelte Zähne nach 4 bis 5 Jahren nur halb so viele Karies-Stellen aufweisen wie unversiegelte Zähne.

Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren übernehmen daher auch die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Zahnversiegelung an den hinteren, bleibenden Backenzähnen. Denn bei diesen Zähnen sind die Rillen und Furchen am stärksten ausgeprägt.

Zähne versiegeln: Genaue Diagnostik ist wichtig

Doch auch wenn die Krankenkassen die Kosten tragen: Ob es sinnvoll ist die Zähne zu versiegeln, muss der Zahnarzt immer im Einzelfall entscheiden! Er wird dazu die Zähne gründlich in Augenschein nehmen und auch die Vorgeschichte des Patienten berücksichtigen.

Um die Oberflächenstruktur der Zähne zu beurteilen, kommen verschiedene Methoden zum Einsatz: Zunächst wird sich der Zahnarzt mithilfe eines Mundspiegels ein Bild von der individuellen Anatomie des Patienten machen. Mithilfe einer Sonde kann er die Tiefe von Furchen und Einziehungen messen. Für eine exakte Diagnostik setzt er zusätzlich oft Röntgenaufnahmen oder Beleuchtungen mit Speziallampen und Laserlicht ein.

Zähne versiegeln: In diesen Fällen ist es sinnvoll

  • Sehr tiefe Furchen: Die Zahnanatomie kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei Patienten mit stark zerklüfteten Kauflächen, die aller Voraussicht nach schwer zu reinigen sind, wird der Zahnarzt wahrscheinlich eine Zahnversiegelung empfehlen.
  • Erhöhtes Kariesrisiko: Unabhängig von der Beschaffenheit der Zähne ist eine Zahnversiegelung sinnvoll, wenn ein Kind ein erhöhtes Kariesrisiko hat. Sind beispielsweise schon Milchzähne oder andere bleibende Zähne befallen, kann man durch eine Zahnversiegelung ein Übergreifen verhindern. Besonders gefährdet sind auch Kinder und Jugendliche mit festsitzenden Zahnspangen, weil sich die Zähne darunter schwer reinigen lassen. Auch bei bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit) ist es vorteilhaft die Zähne zu versiegeln, weil das Immunsystem oft geschwächt ist.
  • Oberflächlicher Schmelzkaries: Wenn sich an einem Zahn bereits oberflächlicher Karies gebildet hat, kann der Zahnarzt eine sogenannte „erweiterte Zahnversiegelung“ vornehmen. Dabei entfernt er zunächst gründlich die erkrankten Stellen und füllt die behandelte Fläche anschließend mit dem Versiegelungsmaterial aus. Das soll ein neuerliches Auftreten von Karies verhindern. Sinnvoll ist die Maßnahme aber nur, wenn sich die Karies auf den Zahnschmelz beschränkt. Tiefere Löcher müssen immer mit einer Spezialfüllung geschlossen werden.

Zähne versiegeln: Wann kann man darauf verzichten?

Entscheidend ist immer das individuelle Kariesrisiko: Hat ein Kind keine tiefen Rillen an den Backenzähnen und betreibt zu Hause eine gute Mundhygiene, ist es nicht zwingend nötig die Zähne zu versiegeln.

Auch Milchzähne werden normalerweise nicht versiegelt. In seltenen Fällen kann das sinnvoll sein – etwa wenn schon die Milchzähne sehr tiefe Einkerbungen haben oder wenn bei einem Kind sehr früh Karies auftritt. Bei Eck- und Schneidezähnen ist die Behandlung nur dann nötig, wenn sie an den Rückseiten starke Furchen haben.

Zähne versiegeln bei Erwachsenen?

Grundsätzlich kann man auch bei Erwachsenen die Zähne versiegeln. Gemacht wird es eher selten: Im Erwachsenenalter bildet sich Karies eher ausgehend von den Zahnzwischenräumen. Sind die Kauflächen bis dahin kariesfrei, werden sie es wahrscheinlich auch weiterhin bleiben. Eine Zahnversiegelung führt man bei Erwachsenen beispielsweise in folgenden Fällen durch:

  • wenn aufgrund einer Behinderung die Mundhygiene erschwert ist
  • bei bestimmten kieferorthopädischen Behandlungen
  • bei anhaltender Mundtrockenheit (Xerostomie), weil dadurch das Kariesrisiko erhöht ist

Gibt es Nachteile oder Risiken?

Viele Eltern fragen sich, ob ein Eingriff an gesunden Zähnen wirklich nötig ist. Manchmal wird auch vor dem Kunststoff-Füllmaterial gewarnt, weil es giftige Stoffe wie Formaldehyd oder Bisphenol A freisetzen soll.

Zwar haben einige Studien gezeigt, dass die verwendeten Kunststoffe beim Aushärten in der äußersten Schicht winzige Mengen von gesundheitsgefährlichen Stoffen bilden. Diese Schicht entfernt der Zahnarzt aber anschließend durch eine Politur. Zudem sind die Mengen derart gering, dass eine gesundheitliche Auswirkung sehr unwahrscheinlich ist.

Auch allergische Reaktionen auf das Füllmaterial sind bisher lediglich in Einzelfällen aufgetreten. Bei der großen Anzahl an Zahnversiegelungen, die tagtäglich durchgeführt werden, ist das Risiko also verschwindend gering!

Insgesamt ist die Behandlung daher als sehr sicher zu beurteilen. Sie stellt auch keinen großen Eingriff an der Zahnsubstanz dar. Der Zahnarzt muss die Zahnoberfläche lediglich etwas aufrauen, damit das Füllmaterial anschließend besser hält. Er trägt anschließend einen fluoridhaltigen Lack auf, um den Zahnschmelz wieder zu glätten.

Zähne versiegeln: Kein absoluter Schutz vor Karies!

Das größte Risiko besteht darin, dass der Zahnarzt eine beginnende Karies übersieht und die Bakterien unter dem Füllmaterial weiter ihr Unwesen treiben. Das Gleiche kann passieren, wenn das Füllmaterial nicht absolut dicht ist und Lufteinschlüsse oder Spalten enthält. Arbeitet der Zahnarzt sauber, passiert das aber äußerst selten!

Wichtig ist: Versiegelte Zähne sind kein Freibrief, um es mit der Mundhygiene nicht mehr so genau zu nehmen, ganz nach dem Motto: Die Zähne sind versiegelt und damit ohnehin geschützt. Das stimmt leider nicht, Zähne versiegeln kann Karies nicht zu 100 Prozent verhindern, sondern lediglich das Risiko dafür senken. Gründlich Zähneputzen bleibt also weiterhin Pflicht!

 

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