Zähneknirschen (Bruxismus) passiert meist völlig unbewusst: Fast jeder fünfte Deutsche malmt nachts mit den Zähnen. Auf Dauer kann das den Zähnen schwer zusetzen. Die häufigste Ursache für Bruxismus ist Stress. Wie Sie herausfinden, ob auch Sie von Zähneknirschen betroffen sind, und was Sie tun können, um Druck von den Zähnen und aus Ihrem Leben zu nehmen.

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2021 aktualisiert.

Zähneknirschen: Weit verbreitet, weitreichende Folgen

Die wichtigste Aufgabe unserer Kaumuskulatur ist es, Nahrung zu zerkleinern. Doch viele Menschen pressen, drücken oder reiben auch nachts im Schlaf völlig unbewusst mit den Zähnen. Mediziner nennen das Phänomen „Bruxismus“. Man schätzt, dass jeder Fünfte zumindest zeitweilig davon betroffen ist – junge Menschen häufiger als ältere.

Oft ist es der Lebenspartner, der die nächtlichen Kaugeräusche als erster bemerkt. Für die Betroffenen selbst ist es oft völlig unerklärlich, warum sie morgens mit Kopfschmerzen oder einer verspannten Kiefer- und Nackenmuskulatur aufwachen. Bleibt das Problem lange unerkannt, können die Zähne schwere Schäden davontragen. Denn beim Knirschen wirken nicht selten Kräfte von bis zu 80 Kilogramm auf einen einzelnen Zahn ein!

Daran erkennen Sie Bruxismus

Dieser immensen Belastung hält kein Gebiss auf Dauer stand. Es gibt einige typische Anzeichen, an denen Sie und auch Ihr Zahnarzt Zähneknirschen erkennen:

Typisch ist auch, dass Betroffene über schmerzempfindliche Zähne klagen. Denn durch das Zähneknirschen wird der Zahnschmelz nach und nach abgeschliffen und das empfindliche Zahnbein kommt frei zu liegen.

Das sind die Folgen von Zähneknirschen

Umweltreize wie heiße, kalte, süße oder saure Speisen sorgen für heftige Schmerzen, wenn das Zahnbein freiliegt. Darüber hinaus kann Zahnersatz wie Implantate, Kronen und Brücken durch Zähneknirschen Schaden nehmen oder locker werden. Und auch die Zähne selbst werden durch den Druck in Mitleidenschaft gezogen – bis hin zum Bruch.

Doch die Konsequenzen des Zähneknirschens beschränken sich nicht allein auf das Gebiss. Chronische Überanspruchung der Kaumuskulatur durch Bruxismus hat auch diese Folgen:

  • Kiefer- oder Kopfschmerzen
  • Verspannungen der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur
  • Ohrenschmerzen oder Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Migräne-Attacken
  • Schwindel
  • Kaputte Zähne

Typisch ist, dass sich die Kiefermuskulatur morgens verspannt, verhärtet oder übermüdet anfühlt.

Zähneknirschen ist meist Stress-Symptom

Früher nahmen Ärzte an, dass hinter Bruxismus organische Ursachen stecken, etwa eine Fehlstellung der Zähne. Der Körper würde auf diese Weise versuchen, die nicht zueinander passenden Kauflächen abzuschleifen. Das stimmt zumindest bei Babys und Kleinkindern.

Heute weiß man, dass bei Jugendlichen und Erwachsenen in aller Regel Stress die Ursache für Zähneknirschen ist. Manche Menschen entwickeln bei psychischen Belastungen Magengeschwüre, einige bekommen einen Hautausschlag, und bei wieder anderen sucht sich der Stress durch nächtliches Zähneknirschen ein Ventil.

Das hilft gegen Bruxismus

Zahnschiene als Schutz für gestresste Zähne

Um irreparable Schäden an den Zähnen und andere Folgebeschwerden zu vermeiden, sollten Sie sowohl die Ursache als auch die Symptome bekämpfen. Als Mittel der Wahl gelten sogenannte Anti-Knirscherschienen oder Aufbissschienen. Diese Schienen werden aus hartem oder weichem Kunststoff gefertigt und an Ihr Gebiss angepasst. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung.

Aufbissschienen nehmen den unmittelbaren Druck vom Zahnschmelz und schützen so die Zähne vor weiteren Schäden. Bei vielen Patienten reduzieren sie auch die Muskelaktivität selbst, das Zähneknirschen wird also weniger. Studien zufolge ist es optimal, die Schiene mit Unterbrechungen zu tragen – sonst pressen viele Betroffene mit der Zeit wieder stärker.

Übungen gegen verspannte Kiefermuskulatur

Hilfreich ist auch, zum Lockern Ihrer Kiefermuskeln auf die Hilfe eines Physiotherapeuten zurückzugreifen. Oder Sie probieren einige Übungen selbst aus, zum Beispiel:

  • Pressen Sie Zeige-, Mittel- und Ringfinger mit leichtem Druck auf die Kaumuskeln beider Seiten. Diese sitzen direkt unter dem Ende des Wangenknochens. Massieren Sie den Muskel entlang und öfffnen und schließen Sie Ihren Mund dabei einige Male
  • Öffnen Sie Ihren Mund und schieben Sie den Unterkiefer hin und her oder bewegen Sie ihn im Kreis.
  • Tasten Sie mit der Zunge jeden einzelnen Zahn ab.

Weitere Übungen und Tipps finden Sie in diesem Beitrag von ergotopia. Wenden Sie die Übungen regelmäßig an.

Die einzig langfristige Lösung für Zähneknirschen: Stressreduktion

Doch ob Schienen oder Botox – keine dieser Methoden bekämpft wirklich die Ursache des Zähneknirschens, nämlich den Stress. Hört man mit der Behandlung auf, dann fallen viele Betroffene wieder in ihre alten Muster zurück. Langfristig ist es daher wichtig, Druck aus dem Leben zu nehmen und Belastungen zu reduzieren. Was oft einfacher gesagt als getan ist!

 

Gute Erfahrungen haben viele Patienten mit folgenden Maßnahmen gemacht:

Entspannungstraining: Methoden wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder QiGong können helfen, das chronisch hohe Erregungsniveau zu senken und so die Muskelaktivität zu reduzieren. Das Training wirkt oft nicht sofort, man sollte daher einige Zeit durchhalten. Grundsätzlich kann aber jeder lernen, sich zu entspannen.

Sport: Leidet man unter chronischem Stress, dann ist der Körper mit Stresshormonen wie Dopamin, Adrenalin oder Kortisol überschwemmt. Diese Hormone sollen uns in Gefahrensituationen eigentlich auf Flucht oder Kampf vorbereiten. Weil das bei Stress im Büro aber keine adäquate Reaktion ist, werden die Hormone nicht abgebaut und sorgen für eine Dauer-Erregung, die auch das Zähneknirschen begünstigt. Bewegung kann helfen, den Hormonpegel auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht zu bringen und so den Stress auf körperlicher Ebene zu bewältigen.

Bio-Feedback: Bei diesem Verfahren setzt man elektronische Sensoren ein, welche die Muskelaktivität messen und dem Betroffenen über optische oder akustische Signale unmittelbare Rückmeldungen geben. So kann man lernen, unbewusst ablaufende Prozesse wie das Zähneknirschen willentlich zu kontrollieren und zu steuern.

Psychotherapie: Stress ist oft „hausgemacht“ – wir laden uns zu viel an Belastungen auf oder gehen auf ungünstige Weise damit um. Psychotherapie kann helfen, sich dieser Verhaltensmuster bewusst zu werden und neue Strategien zum besseren Umgang mit Stress zu entwickeln.

Verzicht auf Genussmittel: Hilfreich ist es auch, auf Genussmittel wie Koffein, Nikotin und Alkohol zu verzichten oder den Konsum zumindest zu reduzieren. Denn sie verschaffen zwar kurzfristig Erleichterung, langfristig verstärken sie den Stress und das Zähneknirschen eher.
Wenden Sie sich unbedingt frühzeitig an Ihren Zahnarzt, wenn Sie den Verdacht haben, dass auch Sie betroffen sind. Denn es ist wichtig, den Kreislauf aus Anspannung, Zähneknirschen und Folgeschäden möglichst rasch zu unterbrechen!

Entschleunigung: Schalten Sie mal einige Gänge zurück, wenn Sie im Dauerstress sind. Egal, wie dringend und wichtig manche Dinge erscheinen: Sie sind keinesfalls wichtiger als Ihre Gesundheit. Lassen Sie das Smartphone liegen, nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, essen Sie in Ruhe. Schon das kann helfen, das Zähneknirschen loszuwerden.