Das Zahnfleisch geht zurück – eine Tatsache, die vielen Menschen Sorgen bereitet. Zu Recht, denn dabei handelt es sich um mehr als ein kosmetisches Problem! Oft stecken Entzündungen oder andere krankhafte Prozesse dahinter, wenn das Zahnfleisch an Substanz verliert. Lesen Sie hier, welche Ursachen Zahnfleisch-Schwund haben kann und wie Ihnen der Zahnarzt wieder zu einem perfekten Lächeln verhilft.

Gesundes Zahnfleisch – die beste Voraussetzung für gesunde Zähne

Straff, hellrosa und glänzend – so sieht unser Zahnfleisch im Idealfall aus. Der Mediziner bezeichnet es auch als „Gingiva“. Während die unteren Bereiche der Gingiva fest mit dem Zahn verwachsen sind, ist der obere Zahnfleischsaum frei und beweglich. Im gesunden Gebiss bedeckt das Zahnfleisch den Zahn von der Wurzel bis zum Hals und schützt diese Bereiche so vor äußeren Einflüssen.

Wenn das Zahnfleisch zurück geht, hat das ein paar unangenehme Folgen:

Schmerzempfindliche Zähne: Durch den Zahnfleisch-Schwund kommen die Zahnhälse frei zu liegen. Diese Bereiche des Zahns sind sehr empfindlich, weil ihre Schmelzschicht dünn ist. Temperatur- und Berührungsreize können daher bei freiliegenden Zahnhälsen recht unangenehme Schmerzen auslösen.

Höheres Entzündungsrisiko: Fehlt das schützende Zahnfleisch, dann können Bakterien wesentlich leichter in das Zahnbett vordringen und dort ihr Unwesen treiben. Eine mögliche Folge ist eine Zahnbett-Entzündung (Parodontitis). Auch das Risiko für Zahnhals-Karies steigt.

Lockere Zähne: Geht das Zahnfleisch zurück, dann können die Zähne im Laufe der Zeit ihren festen Halt verlieren. Dadurch kommt es zu Zahnfehlstellungen, im schlimmsten Fall auch zu Zahnausfall.

Wenn das Zahnfleisch zurück geht, ist das daher immer ein ernsthaftes Risiko für Ihre Zahngesundheit!

Das Zahnfleisch geht zurück – mögliche Ursachen

Doch wie kommt es dazu? Klar ist: Zahnfleisch-Schwund passiert nicht von heute auf morgen. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, an dem oft mehrere Ursachen beteiligt sind. Zu den häufigsten zählen:

Entzündungen: Ist das Zahnfleisch häufig oder lang anhaltend entzündet, dann zieht es sich früher oder später zurück. Auslöser sind meist schädliche Bakterien im Zahnbelag, die bei der täglichen Mundhygiene nicht ausreichend entfernt werden. Das kann einen fatalen Teufelskreis in Gang setzen, denn je mehr das Zahnfleisch zurück geht, desto leichteres Spiel haben die Erreger. Besonders gefährdet sind übrigens Raucher, Diabetiker (Zuckerkranke) und aufgrund der hormonellen Umstellung auch schwangere Frauen.

Zähneknirschen: Der immense Druck, der beim Zähneknirschen entsteht, zieht auch das Zahnfleisch in Mitleidenschaft. Oft ist Betroffenen nicht bewusst, dass sie im Schlaf mit den Zähnen knirschen!

Falsche Zahnputztechnik: Wer es beim Zähneputzen zu gut meint und fest aufdrückt, gefährdet ebenfalls sein Zahnfleisch. Harte Zahnbürsten können das Risiko für Verletzungen erhöhen.

Piercings: Vor allem Lippen-Piercings führen oft zu einer anhaltenden Zugbelastung. Die Folge: Das Zahnfleisch geht zurück.

Veranlagung: Manchmal sind es schlicht die Gene, die Betroffene anfällig für Zahnfleisch-Rückgang machen. Ungünstig ist etwa ein anatomisch nah am Zahn ansetzendes Lippenbändchen oder Zungenbändchen.
Das Zahnfleisch geht zurück: Wie lässt sich der Schwund stoppen?

Viele Betroffene bemerken den Zahnfleisch-Schwund im Anfangsstadium nicht – zumal er nicht unbedingt Schmerzen verursachen muss. Erst wenn die Zähne „länger“ aussehen oder aufgrund freiliegender Zahnhälse zu Temperaturempfindlichkeit neigen, wird klar: Das Zahnfleisch geht zurück!

Sie sollten sich daher schon beim ersten Anfangsverdacht an Ihren Zahnarzt wenden. Denn der Schwund lässt sich stoppen, wenn man das Problem sofort in Angriff nimmt. Der Zahnarzt wird sich ein Bild von der Lage machen und mögliche Auslöser identifizieren. Die Ursachen auszuschalten ist der erste Schritt, um den Zahnfleisch-Rückgang anzuhalten.

Bakteriellen Angreifern das Handwerk legen

Besonders wichtig ist es chronische oder wiederkehrende Zahnfleischentzündungen in den Griff zu bekommen. Dazu ist Ihre Mithilfe als Betroffene/r gefragt, denn die Basis der Therapie stellt die sorgfältige Zahnhygiene im eigenen Badezimmer dar. Zahnbeläge müssen unbedingt regelmäßig und gründlich entfernt werden, um die Zahl der Erreger zu reduzieren. Nur so hat das körpereigene Immunsystem eine Chance, sich gegen bakterielle Angriffe zur Wehr zu setzen.

Je nachdem, wie weit die Entzündung fortgeschritten ist, wird Ihnen der Zahnarzt eventuell bakterienhemmende Mundspüllösungen oder Antibiotika verschreiben. Manchmal haben sich durch die Entzündung auch tiefe Zahnfleischtaschen gebildet, die zum Tummelplatz für Bakterien werden. Diese Taschen wird der Zahnarzt durch geeignete Verfahren wie Kürettagen oder Laser-Behandlungen reinigen und desinfizieren, um die Entzündungsprozesse anzuhalten.

Falls der Zahnfleisch-Schwund mit Zähneknirschen in Verbindung steht, ist es oft sinnvoll nachts eine spezielle Zahnschiene zu tragen. Diese reduziert den Druck beim Malmen und entlastet so Zähne und Zahnfleisch.

Zahnfleisch wieder herstellen – (wie) geht das?

Geht das Zahnfleisch zurück, dann entstehen daraus nicht nur medizinische Probleme wie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Viele Betroffene stören auch die optisch „länger“ wirkenden Zähne. Eine wichtige Frage ist daher: Bildet sich das Zahnfleisch wieder nach, und falls nicht, was kann der Zahnarzt tun?

Falls der Zahnfleisch-Rückgang in den Anfangsstadien erkannt und ursächlich behandelt wird, kann sich das Zahnfleisch oft von selbst regenerieren. Sobald aber ein gewisses Ausmaß überschritten ist, funktioniert das nicht mehr ohne Weiteres. Trotzdem müssen Sie sich als Betroffener nicht mit dem Zahnfleisch-Schwund abfinden. Es gibt regenerative Verfahren, um verloren gegangenes Gewebe zu ersetzen und so wieder ein natürlich schönes Erscheinungsbild herzustellen.

Die Fortschritte der „Rosa Ästhetik“

Der Zahnarzt kann beispielsweise körpereigenes Bindegewebe am Gaumen entnehmen und es an Stellen verpflanzen, wo das Zahnfleisch fehlt. Im Rahmen der sogenannten „Rosa Ästhetik“ sind in den letzten Jahren weitere innovative Verfahren entwickelt worden, die beispielsweise körpereigene Wachstumsfaktoren einsetzen. Da Zahnfleisch-Schwund und Knochenschwund oft Hand in Hand gehen, kann es manchmal nötig sein zugleich Teile des Kieferknochens aufzubauen.

Egal welche Methode: Die wichtigste Voraussetzung für den Zahnfleisch-Aufbau ist, dass eine zugrundliegende Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung (Parodontitis) zuvor erfolgreich behandelt wird. Denn solange bakterielle Erreger im Mund wüten, wäre das Ergebnis nicht von langer Dauer.

Das Wichtigste ist: Verlieren Sie keine Zeit, wenn Ihr Zahnfleisch zurück geht. Der Zahnarzt sollte der Sache unbedingt auf den Grund gehen! Im besten Fall lässt sich der Zahnfleisch-Rückgang stoppen, noch bevor aufwendige Nachbehandlungen nötig werden.