Ist Ihr Zahnfleisch häufig gerötet, geschwollen und beginnt leicht zu bluten? Die Ursache kann eine Zahnfleischentzündung sein. Neben schlechter Zahnhygiene spielt auch die Ernährung bei entzündlichen Prozessen im Mund eine bedeutsame Rolle. Lesen Sie hier, welche Nahrungsmittel Zahnfleischentzündungen lindern können – und welche sie erst so richtig befeuern. Und: Bei welchen Beschwerden es Zeit für den Zahnarztbesuch wird.

Zahnfleischentzündung – keine harmlose Erkrankung

Eine Zahnfleischentzündung (vom Zahnarzt auch Gingivitis genannt) tut zunächst oft nicht weh. Doch genau das kann heimtückisch sein: Unbehandelt mündet sie oft in eine Zahnbettentzündung (Parodontitis). Die bakteriellen Erreger dringen dabei nach und nach bis zum Kieferknochen vor. Langfristig drohen Wackelzähne und Zahnausfall.

Doch im Frühstadium ist eine Zahnfleischentzündung gut behandelbar. Wie Wissenschaftler herausgefunden haben, kommt es dabei nicht nur auf die Zahnpflege, sondern auch auf die richtige Ernährung an! So hat eine Studie der Uni Freiburg kürzlich gezeigt, dass Entzündungen und Zahnfleischbluten schon nach 4 Wochen zurückgehen, wenn Patienten mit Gingivitis oder Parodontitis ihre Ernährung umstellen. Aus Langzeitstudien weiß man, dass auch das Risiko für Zahnverlust durch eine angepasste Ernährung sinkt.

Nahrungsmittel können Entzündungen befeuern oder lindern

Der Grund dafür ist, dass bestimmte Nahrungsbestandteile offenbar Entzündungsprozesse im Körper fördern und das Wachstum „schlechter“ Bakterien im Mund anregen. Umgekehrt hemmen bestimmte Inhaltsstoffe unserer Nahrung gezielt Entzündungen und unterstützen das Immunsystem dabei, bakterielle Erreger in Schach zu halten.

Entzündungsfördernd wirken

  • Kohlenhydrate: Zucker, Fruchtzucker und Stärke sind wesentliche „Energielieferanten“. In der Natur kommen Kohlenhydrate praktisch immer in Verbund mit Ballaststoffen vor. Doch industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten oft viel isolierten Zucker oder isolierte Stärke, die der Körper wiederum zu Zucker abbaut. Das Problem bei Zucker sind nicht nur die klebrigen Zahnbeläge, die „schlechten“ Bakterien als Nahrung dienen. Es gibt Hinweise, dass Zucker – auch unabhängig von Zahnbelägen – Entzündungen fördern kann.
  • Gesättigte Fettsäuren: Sie kommen vor allem in tierischen Lebensmitteln wie fettem Fleisch, Käse und Eiern vor. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen können gesättigte Fettsäuren offenbar auch Entzündungsprozesse begünstigen.
  • Trans-Fettsäuren: Beim starken Erhitzen von Fetten können sogenannte Trans-Fettsäuren entstehen, die ebenfalls entzündungsfördernd wirken. Man findet sie vor allem in frittierten Speisen und Gebäck wie Croissants.
  • Cholesterin: Diese fettähnliche Substanz ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Eidotter, fettem Käse und Schweinefleisch enthalten. Cholesterin kann nicht nur zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen, sondern offenbar auch Entzündungen hervorrufen oder begünstigen.

Entzündungshemmend wirken

  • Omega-3-Fettsäuren: Im Gegensatz zu „schädlichen“ Fetten haben die sogenannten Omega-3-Fettsäuren einen entzündungsauflösenden Effekt. Enthalten sind sie vor allem in fettem Meeresfisch (wie Lachs, Hering, Sardinen) sowie in bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln wie Leinsamen, Walnüssen oder Algen.
  • Ballaststoffe: Darunter versteht man Nahrungsbestandteile, die der Körper nicht zur Energiegewinnung verwerten kann. Trotzdem sind sie alles andere als „Ballast“, denn sie wirken u.a. cholesterinsenkend und regulieren den Blutzuckerspiegel. Dadurch schützen sie indirekt auch vor Entzündungen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass wir ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Vollkornprodukte intensiver kauen müssen. Das regt den Speichelfluss an, was wiederum eine schützende Wirkung auf Zähne und Zahnfleisch hat.
  • Vitamine: Vitamine leisten im Körper vielfältige Dienste, wir benötigen sie unter anderem für ein funktionierendes Immunsystem und für die Zellerneuerung. Beides sind Schlüsselfunktionen, die uns vor einer Zahnfleischentzündung schützen! Ein Mangel an Vitamin C kann zu massiven Zahn- und Kieferproblemen führen, was bei der heute üblichen Ernährung aber äußerst selten ist. Eher mangelt es uns an Vitamin D oder Vitaminen aus dem B-Komplex (dazu zählt u.a. Folsäure).
  • Mineralstoffe: Neben Vitaminen benötigt der Körper für seine Stoffwechselvorgänge auch Mineralstoffe wie Natrium, Kalium oder Eisen. Eine entzündungshemmende Wirkung wurde vor allem für Kalzium, Magnesium und Zink nachgewiesen.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: So bezeichnet man eine Gruppe von Stoffen, die Pflanzen ihre typischen Farben, Gerüche und Aromen verleihen, wie etwa Carotinoide, Flavonoide und Phytoöstrogene. Die genauen Wirkungsmechanismen sind zwar noch nicht gut erforscht, doch die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele dieser Stoffe eine sehr spezifische Wirkung gegen Entzündungen entfalten können.

Um einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen oder sie zu lindern, sollten gezielt entzündungshemmende Nahrungsmittel auf den Teller kommen, während wir ihre Gegenspieler möglichst vermeiden sollten. Wie sieht eine antientzündliche Ernährung nun konkret aus?

  • Nicht zu energiereich: Auch Übergewicht fördert Entzündungsprozesse im Körper! Vor allem das Bauchfett produziert offenbar Hormone, die Entzündungen begünstigen.
  • Viel Obst und Gemüse: Frisches Obst und Gemüse sind reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen und wirken sich dadurch äußerst positiv auf unsere Gesundheit aus. In einer Studie kamen Forscher zu dem Ergebnis, dass eine tägliche Portion von 500 Gramm Blaubeeren eine Zahnfleischentzündung oder Parodontitis ähnlich effektiv lindern kann wie eine professionelle Zahnreinigung! Auch Zwiebeln, Knoblauch und Shiitake-Pilze hemmen nachweislich die Vermehrung schädlicher Bakterien im Mund. Tipp: Während einer akuten Zahnfleischentzündung können Sie Obst und Gemüse auch zu Püree oder Suppen verarbeiten, wenn Ihnen das Kauen Schmerzen bereitet.
  • Vollkornprodukte: Ein Grundübel unserer westlichen Ernährung ist der hohe Anteil verarbeiteter Produkte, die viel Zucker und Stärke in isolierter Form enthalten. Meiden Sie daher Weißmehlprodukte und greifen Sie lieber bei Vollkornbrot, Vollkornreis oder Getreideflocken zu. Bei einer akuten Zahnfleischentzündung ist fein vermahlenes Getreide oft besser geeignet als ganze Körner.
  • Hochwertige Fette: Wenn Sie zu Zahnfleischentzündungen neigen, ist die gezielte Einnahme von Omega-3-Fettsäuren einen Versuch wert. Falls Sie keine großen Mengen Meeresfisch essen wollen, erhalten Sie diese Fettsäuren in der Apotheke auch in Kapselform.
  • Gewürze: Gewürze und Kräuter stecken nicht nur voller Aromen, sondern enthalten auch zahlreiche entzündungshemmende Substanzen. Positive Effekte wurden vor allem für Kurkuma, Ingwer, Chili, Zimt, Kreuzkümmel und Anis nachgewiesen. Auch grüner und schwarzer Tee enthalten Stoffe, die die Erreger einer Zahnfleischentzündung gezielt hemmen.

Wenn zahngesunde Ernährung allein nicht reicht

Mit der richtigen Ernährung und einer guten Mundhygiene können Sie langfristig Zahnfleischentzündungen vorbeugen. Doch wenn die Erkrankung akut aufflammt, wirken antibakterielle und entzündungshemmende Nahrungsmittel manchmal zu schwach. Das sind Anzeichen, dass Sie den Zahnarztbesuch nicht länger aufschieben sollten:

  • wenn die Entzündung nach spätestens einer Woche nicht abklingt
  • bei starken Schmerzen
  • wenn Sie eitriges Sekret bemerken
  • wenn Sie zusätzlich Fieber haben

Sie leiden trotz guter Mundhygiene und zahnfreundlicher Ernährung wiederkehrend unter Zahnfleischentzündungen? Auch dann sollte der Zahnarzt der Sache auf den Grund gehen!