Es ist eine verbreitete Fehlannahme, dass eine Zahnkorrektur nur bei Kindern und Jugendlichen möglich ist. Zwar ist es dann noch besonders einfach, da der Kieferknochen sich erst verfestigen muss – doch mit modernen Methoden können auch Erwachsene etwas gegen „Hasenzähne“ oder verschachtelte Zähne tun. Doch ist das wirklich nötig?

Warum Sie über eine Zahnkorrektur im Erwachsenenalter nachdenken sollten

Zahnfehlstellungen können auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Oftmals wurde eine in der Kindheit bestehende Fehlstellung nicht oder falsch behandelt – oder zu früh abgebrochen. Zahnverlust, zum Beispiel durch Unfälle, Zähneknirschen oder Parodontitis, aber auch der natürliche Zahnabrieb im Alter können dazu führen, dass Zähne im Kiefer wandern und eine falsche Position einnehmen. Oder der Grund liegt in einem zu engen Kiefer, in dem die Zähne nicht genügend Platz haben und sich gegeneinander verschieben. Eine weitere Ursache sind dauerhafte Fehlbelastungen durch die Wangen oder die Zunge – denn wer sich beispielsweise als Mundatmer angewöhnt hat, die Zunge auf dem Unterkiefer ruhen zu lassen, drückt sie häufig gegen die dort befindlichen Frontzähne und verschiebt diese auf Dauer. Als weitere Ursache kommt auch in Betracht, dass wir immer weniger harte Lebensmittel kauen, die Zähne nicht mehr „ausgelastet“ werden und sich verschieben.

Wenn nun also dadurch Zahnfehlstellungen hervorgerufen wurden, ist das nicht nur ein rein ästhetisches Problem. Zähne und körperliches Wohlbefinden stehen in engem Einklang miteinander, weshalb eine Zahnkorrektur auf jeden Fall in Betracht gezogen werden sollte. Denn solche Schiefstände führen unter anderem zu:

  • Frühzeitiger, unregelmäßiger Abnutzung der Kauflächen durch Fehlbelastung
  • Sprachfehlern
  • Verspannungen im Nackenbereich und oberen Rücken
  • Zähneknirschen
  • Tinnitus
  • Übermäßiger Plaquebildung, wenn Zähne übereinander liegen und nicht mit äußerster Sorgfalt gereinigt werden
  • Kopf- und Kiefergelenkschmerzen

Sie sehen: Mit Zahnkorrekturen könnte eine Vielzahl von Problemen behoben werden, die sich in der Gesellschaft verbreitet haben. Zum Glück muss es dabei heute auch gar nicht mehr der riesige Metallbügel sein, der das Gesicht umspannt. Diese Möglichkeiten zur Zahnkorrektur im Erwachsenenalter stehen Ihnen heute zur Verfügung.

Zahnkorrekturen bei Erwachsenen – das sind die gängigen Methoden

Feste Zahnspange – der Klassiker bei der Zahnkorrektur

Die typische Zahnspange mit den kleinen Brackets kennt sicher jeder. Sie ist eine Methode zur Zahnkorrektur bei leichteren Fehlstellungen, die sich mit der Zeit bewährt hat. Auch bei Erwachsenen. Wer es dezent haben möchte, kann seinen Kieferorthopäden nach farblich angepassten Keramik-Brackets oder dünneren Drähten fragen.

Die feste Zahnspange kann zur Zahnkorrektur in zwei Variationen eingesetzt werden:

  • Labialtechnik: Die übliche Methode, bei der die Spange an der Außenseite Zähne befestigt wird.
  • Lingualtechnik: Die Drähte und Brackets werden an der Innenseite der Zähne angebracht.

Beide Techniken unterscheiden sich nur in ästhetischen Gesichtspunkten. Die Lingualtechnik ist jedoch aufwendiger und kann zu einem störenden Gefühl beitragen, da die Zungenbewegung einschränkt wird. Die feste Zahnspange muss regelmäßig angepasst werden, um den Korrekturfortschritt fortzuführen.

Als Alternative bietet sich eine lose Zahnspange an, die über Nacht eingesetzt wird und so die Zähne sanft korrigiert.

Aligner – neue Methoden zur Zahnkorrektur

Minimale Fehlstellungen können leicht durch sogenannte „Aligner“ behoben werden, die – wie der Name verrät – die Zähne auf Linie bringen. Beim Aligner handelt es sich um eine Art durchsichtige Schiene, in die jeweils die gesamte Zahnreihe des Ober- und Unterkiefers gesteckt wird. Durch leichten Druck erfolgt die Zahnkorrektur. Die Aligner müssen regelmäßig ausgetauscht und angepasst werden, bieten aber ein sehr diskretes Verfahren zur Zahnkorrektur.

Chirurgische Korrektur – wenn es hart auf hart kommt

Wenn die Ursache der Zahnfehlstellung im Kiefer selbst liegt, helfen die bereits genannten Maßnahmen zur Zahnkorrektur nicht. In diesem Fall muss über einen chirurgischen Eingriff nachgedacht werden. Denn während der Kiefer bei Kindern auch noch durch eine feste Spange in eine optimale Form gebracht werden kann, ist er bei Erwachsenen schon vollständig verwachsen.

Je nach Kieferfehlstellung kommen verschiedene Ansätze in Betracht. Haben Sie beispielsweise einen zu schmalen Oberkiefer, wird dessen Dach in einem minimalen Verfahren „aufgebrochen“ und dann durch korrigierende Spangen über mehrere Monate hinweg aufgedehnt. Keine Sorge – das klingt vermutlich schrecklicher, als es ist!

Retainer – damit Ihre Zahnkorrektur von nachhaltigem Erfolg gekrönt ist

Wurde die Zahnkorrektur an sich abgeschlossen, kommt es für den nachhaltigen Erfolg auf stabilisierende Maßnahmen an. Hierbei eignet sich der Retainer: Ein dünner Draht, der auf die Innenseite der Zähne geklebt wird und die Zähne in ihrer neuen Position hält. Je nachdem, welche Gründe die Zahnfehlstellung hatte, kann ein Retainer nur kurz oder lebenslang verordnet werden.

Für alle Zahnkorrektur-Methoden bei Erwachsenen gilt: Der Behandlungszeitraum erstreckt je nach Schweregrad der Fehlstellung über mehrere Monate bis Jahre.

Übernimmt die Krankenkasse meine Behandlung?

Im Regelfall übernehmen Krankenkassen Maßnahmen zur Zahnkorrektur nur bis zum 18. Lebensjahr. Danach müssen Sie die Kosten selbst tragen – außer es ist ein chirurgischer Eingriff nötig, weil es sich beispielsweise um eine schwerwiegende Verformung handelt.

Unter Umständen sind die Krankenkassen kulant, wenn Sie Ihre Zähne aufgrund eines Unfalls korrigieren lassen möchten. Schauen Sie am besten, was in Ihren Unterlagen festgehalten ist. Besonders bei solchen kieferorthopädischen Eingriffen lohnt es sich, eine Zahnzusatzversicherung zu haben. Was Sie darüber wissen sollten, verrät Ihnen dieser Beitrag.

Unser Fazit: Zahnkorrekturen lohnen sich auch für Erwachsene!

Zahnkorrekturen sind etwas, wofür es nie zu spät ist. Besonders wenn man sich die daraus resultierenden Folgen ansieht, sind Behandlungen sinnvoll. Heutzutage gibt es dafür verschiedenste Möglichkeiten, die individuell an Ihre Bedürfnisse und Fehlstellung angepasst werden können – damit Sie in naher Zukunft wieder unbeschwert lachen können!