Zahnimplantate: Der Königsweg zu neuen Zähnen

Zahnimplantate: Der Königsweg zu neuen Zähnen

Neue Zähne im Erwachsenenalter: Für viele Generationen war das gleichbedeutend mit einer herausnehmbaren Zahnprothese. Heute muss sich zum Glück niemand mehr mit klapprigen „Dritten“ als Zahnersatz abfinden. Festsitzende Zahnimplantate sind von eigenen Zähnen kaum zu unterscheiden und bedeuten für Betroffene einen enormen Gewinn an Lebensqualität. Welche Vorteile Zahnimplantate bieten und für wen sie in Frage kommen.

Neue Zähne: Früher oft ein Leidensweg

Von Vielem muss man sich im Laufe des Lebens trennen. So auch von den eigenen Zähnen: Zahnkrankheiten wie Karies und Parodontitis können den Zähnen so zusetzen, dass sie früher oder später nicht mehr zu retten sind. Einzelne Zahnlücken lassen sich zwar mit Brücken oder Kronen schließen. Doch nehmen die Schäden im Gebiss Überhand, dann brauchen viele Menschen ab der Lebensmitte neue Zähne.

Herausnehmbare Zahnprothesen, die klassischen „Dritten“, sind für viele unserer Patienten eine Horrorvorstellung. Wer mitten im Leben steht, legt seine Zähne abends ungerne ins Wasserglas, um sie am nächsten Morgen mit Haftcreme im Mund zu befestigen. Lästig kann auch eine Gaumenplatte sein, weil sie den Geschmack beeinträchtigt. Eine Zahnprothese ist und bleibt ein Fremdkörper, der nicht selten Druckstellen verursacht oder kein festes Zubeißen mehr erlaubt.

Zahnimplantate: Ein Meilenstein der Dentalmedizin

Als in den 1970er-Jahren die ersten festsitzenden Zahnimplantate als Ersatz für eigene Zähne gesetzt wurden, bedeutete das für Zahnärzte und ihre Patienten eine echte Zeitenwende. Implantate sind nichts anderes als künstliche Zahnwurzeln, die ähnlich wie ein Dübel im Kiefer des Patienten verschraubt werden und mit diesem fest verwachsen. Über ein Verbindungsstück befestigt der Zahnarzt daran den eigentlichen Zahnersatz, beispielsweise eine Keramik-Krone. Der große Vorteil: Die künstlichen neuen Zähne sitzen ebenso fest im Mund wie die eigenen. Der Patient bemerkt im Alltag keine Einschränkungen, er ist niemals zahnlos und kann jederzeit unbeschwert lächeln und zubeißen.

Heute fertigt man die künstlichen Zahnwurzeln in der Regel aus Titan, einem äußerst leichten und langlebigem Werkstoff. Er ist optimal verträglich, Allergien oder Abstoßungsreaktionen sind praktisch nicht bekannt. Der Zahnersatz selbst kann aus Hochleistungs-Kunststoffen oder Keramik bestehen. Letzteres kommt der Natur optisch täuschend nahe – Kunstzähne aus Vollkeramik kann nur der Profi von echten Zähnen unterscheiden.

Zahnimplantate: Die Erfolgsgeschichte geht weiter

„Aber sind Zahnimplantate nicht langwierig, schmerzhaft und teuer?“ – Eine berechtigte Frage! An allen drei Punkten haben Forscher, Hersteller und Zahnärzte in den letzten Jahrzehnten intensiv gearbeitet. Die Zahnimplantate der neuesten Generation sind den Prototypen aus den 1970ern meilenweit überlegen und bieten wesentlich höheren Komfort und Sicherheit.

Für Sie als Patient bedeutet das:

  • Neue Zähne ohne Wartezeiten: Früher war bei Implantat-Behandlungen eine längere Einheilphase erforderlich, bevor der Patient seine festen Zähne bekam. In der Zwischenzeit musste er sich mit Provisorien wie einer herausnehmbaren Prothese behelfen. Doch die Zahnimplantate der neuesten Generation sind häufig bereits nach dem Einsetzen belastbar. Der Patient erhält noch am gleichen Tag, an dem die „künstlichen Zahnwurzeln“ gesetzt werden, eine festsitzende Zahnreihe. Er ist daher niemals zahnlos.
  • Schmerzarme, schonende Behandlung: Moderne Zahnimplantate sind deutlich kleiner und schlanker als die der früheren Generation, wodurch beim Einsetzen weniger Gewebe verletzt wird. Der Eingriff erfolgt sehr schonend in minimalinvasiver Technik. Dank lokaler Betäubung oder Vollnarkose spüren Sie als Patient davon nichts. Die meisten Patienten können bereits am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen und benötigen nur in den ersten Tagen nach dem Eingriff ein Schmerzmittel.
  • Kostenersparnisse: Durch standardisierte Herstellungsverfahren sind Zahnimplantate seit ihren Anfangstagen deutlich günstiger geworden. Darüber hinaus erlauben es die neuen Therapie-Konzepte, mehrere Arbeitsschritte zu bündeln – auch das spart Geld. Nicht zuletzt benötigen heute immer weniger Patienten einen Knochenaufbau, der bei einer Implantat-Behandlung ein wesentlicher Kostentreiber ist.

Neue Zähne ohne aufwendigen Knochenaufbau

Der Knochenaufbau ist zugleich der Teil der Behandlung, den viele Patienten am unangenehmsten empfinden.

Worum geht es? Damit die „künstlichen Zahnwurzeln“ ausreichend Halt im Kiefer finden, muss genug Knochensubstanz vorhanden sein. Gerade wenn die eigenen Zähne schon seit längerer Zeit fehlen, ist der Kiefer aber oft zu schwach. Denn unser Körper ist ein Minimalist, er baut alle Strukturen ab, die nicht mehr belastet werden. In solchen Fällen muss man häufig erst neue Knochensubstanz aufbauen. Das funktioniert mit körpereigenem Gewebe oder mit künstlichem Knochenmaterial. Der Aufbau-Prozess verlangt Zahnarzt und Patient ein wenig Geduld ab, denn er kann mehrere Monate dauern.

Doch bei neueren Zahnimplantate ist dieser Schritt oft gar nicht erst nötig. Denn bei diesen modernen Systemen sind die Schrauben deutlich zarter, dünner und kürzer als früher üblich. Durch ihr spezielles Design verteilen sich auch die biomechanischen Kräfte besser, wodurch das vorhandene Knochenmaterial optimal genutzt wird. Dadurch benötigen heute immer weniger Patienten einen Knochenaufbau und können sofort neue Zähne erhalten. Das bedeutet nicht nur eine Kosten- und Zeitersparnis, sondern ist auch wesentlich komfortabler.

Neue Zähne dank Zahnimplantate: Für wen eignet sich das?

Grundsätzlich kann jeder Patient, bei dem das Zahnwachstum abgeschlossen ist, Zahnimplantate erhalten. Nur für Kinder eignet sich die Methode nicht. Nach oben hin gibt es grundsätzlich keine Altersgrenze. Solange Ihr Gesundheitszustand für den minimalinvasiven Eingriff stabil genug ist, können Sie auch jenseits des 85. Lebensjahres ohne Weiteres neue Zähne bekommen! Nur unmittelbar nach schweren Erkrankungen wie einem Herzinfarkt muss man etwas warten.

Es spielt auch keine Rolle, ob Sie einen oder mehrere Zähne verloren haben oder bereits völlig zahnlos sind. Wir setzen Implantate bei jungen Patienten nach Zahnunfällen genauso wie bei Patienten, die durch Zahnkrankheiten nach und nach ihre eigenen Zähne eingebüßt haben.

Sogar sogenannte „Risikopatienten“ haben heute in vielen Fällen gut lachen. Ist die Grunderkrankung gut eingestellt, dann können auch Diabetiker, Menschen mit Osteoporose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Raucher mit festsitzenden neuen Zähnen versorgt werden. Dabei ist oft ein enger Austausch zwischen Zahnarzt und Hausarzt nötig, um das individuelle Risiko richtig einzuschätzen.

Nur akute Zahnerkrankungen wie eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats) muss man unbedingt behandeln, bevor ein Patient Zahnimplantate erhält. Sonst kann es zu gefährlichen Entzündungen kommen.

Neue Zähne nur vom Spezialisten setzen lassen

Damit eine Zahnimplantation komplikationslos verläuft, sollte der Zahnarzt unbedingt etwas von seinem Handwerk verstehen. Achten Sie darauf, dass der Arzt auf den Bereich Implantologie spezialisiert ist und regelmäßige Weiterbildungen nachweisen kann! Denn gerade auf dem Gebiet der Implantologie werden Jahr für Jahr rasante Fortschritte erzielt.

Der Zahnarzt sollte Ihnen außerdem eine ausführliche Implantat-Beratung, welche aber in der Regel keine Kassenleistung darstellt, anbieten ohne Sie sofort zu einer Behandlung zu drängen. Falls Sie kein gutes Gefühl haben, dann holen Sie unbedingt eine Zweitmeinung ein!


Zahnfüllung © Fabio Balbi/shutterstock.com

Zahnfüllungen bei Karies – welche Möglichkeiten gibt es?

Die wahrscheinlich älteste Zahnfüllung der Welt haben Forscher bei einem archäologischen Fund in Norditalien entdeckt: eine Mischung aus Erdharz, Pflanzenfasern und menschlichen Haaren. Damit hat ein „Steinzeit-Zahnarzt“ vor rund 13.000 Jahren kariesdurchlöcherte Zähne verschlossen. Heute steht uns zum Glück ein ganzes Arsenal modernster Materialien zur Verfügung. Lesen Sie hier, welche Arten von Zahnfüllungen es gibt und wie der Zahnarzt für jeden Patienten die passende Lösung findet.

Wann braucht man eine Zahnfüllung?

Mit einer Zahnfüllung kann der Zahnarzt „Löcher“ im Zahn versiegeln oder andere Defekte an der Zahnsubstanz beheben. Das ist wichtig, um weiteren Schäden vorzubeugen und die normale Kaufunktion sicherzustellen. Umgangssprachlich nennt man Zahnfüllungen auch Plomben. Für eine Füllungstherapie muss noch ausreichend gesunde Zahnsubstanz vorhanden sein. Sind große Bereiche des Zahnes zerstört, wird der Zahnarzt eher eine Krone anbringen.

Verantwortlich für die zu behandelnden Zahn-Defekte ist in den meisten Fällen Karies. Haben Karies-Bakterien ein Loch in den Zahn gefressen, dann muss der Zahnarzt die befallene Stelle zunächst akribisch sauber bohren. Erst wenn das erkrankte Zahnmaterial restlos entfernt ist, wird das entstandene Loch mit einer Zahnfüllung verschlossen.

Zahnfüllungen: Welche Arten gibt es?

Grundsätzlich hat der Zahnarzt bei Zahnfüllungen zwei Möglichkeiten: Er kann weiche, formbare Füllmaterialien in das Loch einbringen, die erst danach aushärten – man spricht auch von plastischen Füllungen. Oder er fertigt eine feste Füllung im Labor an und passt sie anschließend in den Zahn ein. Das sind die sogenannten Einlagefüllungen oder Inlays.

Plastische Füllungen sind kostengünstiger und haben den Vorteil, dass weniger Zahnsubstanz abgetragen werden muss. Sie können sich aber mit der Zeit abnutzen und kaputt gehen oder herausfallen. Einlagefüllungen sind aufwendiger und teurer in der Herstellung, dafür aber meist länger haltbar.

Plastische Füllmaterialien

Amalgam: Der kostengünstige Klassiker

Amalgam zählt zu den ältesten zahnärztlichen Werkstoffen. Es handelt sich um eine Mischung aus den Metallen Silber, Quecksilber, Kupfer und Zinn. Amalgam lässt sich im weichen Zustand unkompliziert verarbeiten. Einmal ausgehärtet, ist es robust und langlebig und daher auch für größere Defekte an den Kauflächen geeignet. Die silber-schwarze Farbe wirkt allerdings nicht sehr ästhetisch. Weil Amalgam kostengünstig ist, zählt es in der gesetzlichen Krankenversicherung zur Regelversorgung für Backenzähne.

Viele Patienten sorgen sich wegen des enthaltenen Quecksilbers. Eine Gesundheitsgefährdung durch Amalgam-Zahnfüllungen konnte bis jetzt zwar nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Trotzdem hat die Europäische Union die Verwendung von Amalgam nun per Verordnung eingeschränkt. Seit Juli 2018 sollen Amalgam-Füllungen bei Kindern, schwangeren und stillenden Patientinnen vorsichtshalber nicht mehr verwendet werden.

Komposit: Die diskrete Lösung

Komposit-Füllungen sind besser bekannt als Kunststoff-Füllungen. Dabei bestehen sie nur zu etwa 20 Prozent aus Kunststoff, 80 Prozent des Materials machen feinst vermahlene Quarz- und Glaspartikel aus. Sie bewirken, dass Komposit-Füllungen im ausgehärteten Zustand vergleichsweise formstabil und langlebig sind. Ihr großer Vorteil ist, dass sie zahnfarben und damit wesentlich diskreter als Amalgam-Füllungen sind. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt Komposit-Füllungen für Behandlungen im Frontzahnbereich.

Bei kleinen Defekten kann der Zahnarzt das weiche Füllmaterial in nur einem Arbeitsschritt in den Zahn einbringen und anschließend mit einem speziellen Licht behandeln, damit es aushärtet. Bei etwas größeren Defekten wendet er das sogenannte Mehrschichtverfahren an. Dabei trägt er Schritt für Schritt mehrere dünne Schichten des Füllmaterials auf, die nacheinander fest werden müssen. Das soll verhindern, dass das Material beim Aushärten schrumpft und zwischen Zahn und Zahnfüllung ein kleiner Spalt entsteht, in dem sich später wieder Karies bilden könnte.

Glasionomer-Zement: Das Provisorium

Glasionomer-Zement wurde speziell für zahnärztliche Behandlungen entwickelt. Es enthält Fluorid, welches nach und nach aus der Zahnfüllung freigesetzt wird. Das schützt vor einer neuerlichen Karies-Entwicklung an den Füllungsrändern.

Zementfüllungen brechen allerdings leicht und sind daher nicht als Dauerlösung gedacht. Der Zahnarzt verwendet sie hauptsächlich als Übergangslösung für Patienten, die eine Einlagefüllung bekommen sollen, oder bei Kindern im Milchgebiss.

Einlagefüllungen (Inlays)

Gold: Unübertroffen in Sachen Haltbarkeit

Zahnfüllungen aus Gold sind jahrzehntelang haltbar und sehr gut verträglich, Allergien gegen das Edelmetall sind nicht bekannt. Das Material lässt sich gut verarbeiten und schmiegt sich lückenlos an die Zahnoberfläche an, was wichtig ist, damit sich in der Randspalte nicht neuerlich Karies bildet. Der Zahnarzt setzt die Goldfüllung übrigens nicht in einem Stück ein, sondern trägt Schicht um Schicht eine hauchdünne Goldfolie auf.

Trotz seiner ausgezeichneten Materialeigenschaften kommt Gold als Zahnfüllung eher selten zum Einsatz. Der Grund dafür ist neben dem stolzen Preis vor allem die unübersehbar metallische Farbe.

Keramik: Für höchste ästhetische Ansprüche

Der Rolls Royce unter den Füllmaterialien ist derzeit Keramik. Das Material besticht durch sein absolut natürliches Aussehen, man kann es farblich exakt an die Zähne des Patienten anpassen. Keramik eignet sich daher auch für Füllungen im Frontzahnbereich. Darüber hinaus sind Keramik-Inlays bestens bioverträglich, beeinträchtigen den Geschmackssinn nicht und leiten Temperaturreize nicht an den Zahnnerv weiter.

Allerdings ist die Herstellung eines Keramik-Inlays relativ aufwendig, was sich auch im Preis niederschlägt. Die Behandlung erfordert normalerweise zwei Termine. Beim ersten Termin nimmt der Zahnarzt einen Abdruck und verschließt das Loch mit einer provisorischen Füllung. Der Abdruck dient anschließend als Vorlage für den Zahntechniker, der die Zahnfüllung im Labor in einem aufwendigen Verfahren anfertigt. Beim zweiten Termin setzt der Zahnarzt die Keramikfüllung ein und passt sie gegebenenfalls noch an.

Dank neuester Digitaltechnik ist es seit einiger Zeit möglich, Keramikfüllungen zeitsparend in nur einem Behandlungstermin einzusetzen. Dabei nimmt eine computergestützte Messkamera einen „digitalen Abdruck“ des Zahnes und leitet die Daten an ein Computerprogramm weiter. Der Computer berechnet die exakte Form der Zahnfüllung, anschließend wird das Inlay vollautomatisch aus einem Keramikblock herausgefräst.

Welche Zahnfüllung für welchen Zweck?

Welches Füllmaterial das beste ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn das hängt vor allem vom Einsatzzweck ab:

  • Bei größeren Defekten im Backenzahnbereich muss das Füllmaterial besonders stabil und belastbar sein, damit es den hohen Kaukräften standhält. Geeignet sind in erster Linie Amalgam-Füllungen und Einlagefüllungen aus Gold oder Keramik.
  • Für kleinere Defekte im Backenzahnbereich kann der Zahnarzt auch die im Vergleich etwas weniger robusten Komposit-Füllungen verwenden.
  • Im Frontzahnbereich muss eine Zahnfüllung neben medizinischen vor allem ästhetische Ansprüche erfüllen. Gut geeignet sind Komposit-Füllungen sowie Füllungen aus Keramik oder Glasionomer-Zement.Die Haltbarkeit einer Zahnfüllung hängt übrigens auch von der Pflege ab. Penible Zahnhygiene ist der beste Schutz davor, dass die Plombe schon nach wenigen Jahren herausfällt oder ausgetauscht werden muss.

Die Haltbarkeit einer Zahnfüllung hängt übrigens auch von der Pflege ab. Penible Zahnhygiene ist der beste Schutz davor, dass die Plombe schon nach wenigen Jahren herausfällt oder ausgetauscht werden muss.

 

Fotoquelle Titelbild: © Fabio Balbi/shutterstock


Zähne & Gene © 4 PM production/shutterstock.com

Gene und Zähne – welchen Einfluss hat die DNA auf unsere Zahngesundheit?

Bei fast allem, was unsere Gesundheit betrifft, haben sowohl die Gene als auch unsere Lebensgewohnheiten ihre Finger im Spiel. Aber wie verhält sich das genau bei unseren Zähnen? Sind Karies, Parodontitis & Co erblich bedingt oder eher eine Folge schlechter Mundhygiene? Lesen Sie hier, was die Wissenschaft zum Thema „Gene und Zähne“ zu sagen hat.

Schlechte Zähne: Sind die Gene schuld?

Ob Haar- und Augenfarbe, Statur oder individuelle Gesichtszüge: Zwischen Kindern und ihren Eltern gibt es viele offensichtliche Ähnlichkeiten. Auch Zahnkrankheiten wie Karies scheinen manchmal in der Familie zu liegen. Sind Löcher in den Beißerchen also unvermeidlich, wenn schon Eltern und Großeltern „schlechte Zähne“ hatten? Oder anders gesagt: Sind ungünstige Erbanlagen in unserer DNA an den Zahnproblemen schuld?

Auch Lebensstil wird „vererbt“

Ganz so einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Denn „vererbt“ werden ja nicht nur die Gene, sondern auch unsere Lebensgewohnheiten. Das gilt vor allem für die Zeit der Kindheit. Wenn Eltern bei ihrer eigenen Mundhygiene nachlässig sind, wird es auch der Nachwuchs nicht so genau mit dem Zähneputzen nehmen. Und auch eine „zuckersüße“ Ernährung hat oft Familientradition – mit entsprechenden Folgen für die Zahngesundheit.

Die entscheidende Frage ist, welcher Faktor größere Bedeutung hat: die Gene oder der Lebensstil? Dabei macht es natürlich einen Unterschied, von welchen Zahnproblemen wir sprechen.

Schiefe Zähne: Meist eine Sache der Gene

Zahnfehlstellungen gehen grundsätzlich auf das Konto unserer Gene. Denn unsere Erbanlagen bestimmen über die individuelle Kieferform und darüber, in welcher Position zueinander sich die Zähne entwickeln. Auf diese Anlagen haben wir leider keinen Einfluss.

Zahnfehlstellungen können nicht nur optisch störend sein, sondern auch zu verschiedenen Folgeproblemen führen: Beispielsweise entsteht leichter Karies, wenn sich Zähne aufgrund ihrer Position schlecht putzen lassen. Auch Probleme mit den Weisheitszähnen sind bei bestimmten Kieferformen oft vorprogrammiert.

Diese Folgeprobleme lassen sich im Unterschied zu den Erbanlagen aber beeinflussen. Wichtig ist es, Zahnfehlstellungen rechtzeitig festzustellen und gegebenenfalls zu korrigieren. Einfacher ist das meist im Kindesalter, aber auch bei Erwachsenen ist es für eine Zahn- oder Kieferkorrektur nie zu spät.

Platzprobleme im Kiefer sind übrigens bei Europäern besonders verbreitet, weil der Gaumenbogen vergleichsweise schmal ist und die Zähne im Vergleich dazu groß. Dadurch geraten sie häufig auf „Kollisionskurs“ zueinander.

Karies: Genetisches Risiko ist beherrschbar

Karies ist grundsätzlich eine Infektionskrankheit. Schuld sind bestimmte Bakterien, die Zucker in schädliche Säuren umwandeln. Diese schädigen den Zahnschmelz und fressen so Löcher in den Zahn. Aus diesem Grund predigen Zahnärzte seit jeher, sich bei Süßigkeiten zurückzuhalten und zwei mal täglich gründlich die Zähne zu putzen. Unfair, aber leider eine Tatsache: Manche Patienten halten sich an diese Empfehlungen und benutzen sogar Zahnseide – trotzdem muss der Zahnarzt regelmäßig zum Bohrer greifen.

Forscher der Universität Zürich haben kürzlich einen möglichen Grund dafür entdeckt: Wie gut unser Zahnschmelz den Karies-Erregern Paroli bieten kann, hängt von seiner Härte und Zusammensetzung ab – und die wiederum wird offenbar durch genetische Faktoren gesteuert.

Das Forscherteam arbeitete mit Mäusen, die eine Mutation in einem bestimmten Genbereich aufwiesen, der für die Entwicklung des Zahnschmelzes verantwortlich ist. Es stellte sich heraus, dass Mäuse mit dieser Mutation einen deutlich weniger widerstandsfähigen Zahnschmelz hatten als ihre Artgenossen ohne diese Mutation.

Ähnliche Gendefekte könnten auch beim Menschen eine Rolle bei der Kariesentstehung spielen. Denn durch den weicheren Zahnschmelz haben Bakterien leichtes Spiel. Unbestritten ist aber, dass die Keime und nicht der Gendefekt selbst die Karies auslösen! Das bedeutet, dass eine gründliche Mundhygiene und andere Vorsorge-Maßnahmen umso wichtiger sind, je höher das erbliche Risiko ist. Die Gene sind zwar mit verantwortlich, müssen aber nicht notwendig zu Karies führen.

Parodontitis: Schwere Formen oft erblich

Ähnlich wie Karies wird auch eine Parodontitis (Zahnbettentzündung) durch Bakterien ausgelöst. Betroffen sind aber nicht die Zähne selbst, sondern das Zahnfleisch, die Zahnhaltefasern und im fortgeschrittenen Krankheitsstadium der Kieferknochen.

Wir wissen bereits seit Längerem, dass bestimmte Gen-Variationen die Häufigkeit und den Verlauf einer Parodontitis beeinflussen können. Entscheidend ist ein Genkomplex, der für die Bildung von sogenannten Interleukinen verantwortlich ist. Das sind Botenstoffe, die an der Immunabwehr beteiligt sind.

Bei etwa einem Drittel der europäischen Bevölkerung reagiert das Immunsystem auf eine bakterielle Infektion mit einer überschießenden Produktion von Interleukinen. Was eigentlich als sinnvolle Abwehrreaktion gegen Erreger gedacht ist, richtet im Übermaß leider Schäden an: Es kommt zu einer verstärkten Entzündungsreaktion und in der Folge zu einer Zerstörung körpereigenen Gewebes.

Wer diese genetische Veranlagung trägt, hat ein höheres Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken. Oft ist auch die Ausprägung schwerer und die Krankheit schreitet rascher fort als bei genetisch nicht vorbelasteten Patienten. Besonders dramatisch ist es, wenn noch andere Risikofaktoren hinzukommen: Wer beispielsweise zusätzlich raucht oder unter einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) leidet, bei dem steigt das Parodontitis-Risiko nahezu exponentiell an.

Mittlerweile gibt es Interleukin-Gentests, mit denen man feststellen kann, ob man einer genetischen Risikogruppe angehört. In diesem Fall sind engmaschige Kontrollen beim Zahnarzt und eine besonders sorgsame Mundhygiene enorm wichtig.

Schwere Erbkrankheiten sind selten

Echte Erbkrankheiten, die zwangsläufig zu Zahnschäden führen, sind zum Glück selten. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Amelogenesis imperfecta, bei der die Bildung des Zahnschmelzes gestört ist. Betroffene leiden unter Zahnverfärbungen, schwerer Karies und Zahnverlust, selbst wenn sie ihre Zähne gut pflegen. Die Krankheit kommt je nach Bevölkerungsgruppe bei 1 von 2.000 bis 1 von 20.000 Menschen vor.

Bei manchen Erbkrankheiten sind schlechte Zähne nur ein Teil eines komplexen Beschwerdebildes. Beispielsweise leiden Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) oft schon im Kindesalter unter einer besonders aggressiven Form der Parodontitis, die schwer behandelbar ist und oft zu Zahnverlust führt.

Für Risikogruppen sind vorbeugende Maßnahmen wichtig

Wenn sich in einer Familie schwere Zahnkrankheiten häufen und das sogar über mehrere Generationen hinweg, kann es sinnvoll sein, sich an einen auf Genetik spezialisierten Zahnarzt zu wenden. Es werden laufend neue Gene entdeckt, die für spezielle Zahnprobleme mit verantwortlich sein können. Für Betroffene ist eine engmaschige Betreuung wichtig, um die Schäden in Grenzen zu halten.

Bei den meisten Menschen haben die Gene zum Glück keinen derart schwerwiegenden Einfluss. Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Erbanlagen und Faktoren wie Ernährung und Mundhygiene. Das heißt, selbst wenn man einer genetischen Risikogruppe angehört, sind schlechte Zähne kein unvermeidbares Schicksal!

 

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