Parabene, Knochenmehl oder Mikroplastik: Manche Inhaltsstoffe von Zahnpasta wollen Verbraucher lieber nicht im Mund haben. Doch wer weiß schon, was sich hinter den Inhaltsangaben auf der Verpackung verbirgt? Wir haben das „Kleingedruckte“ auf den Zahnpasta-Tuben für Sie unter die Lupe genommen und klären Sie über die wichtigsten Inhaltsstoffe auf. Plus: Welche Zahncremes eignen sich für Veganer?

Inhaltsstoffe von Zahnpasta: Die INCI-Codes

Die Inhaltsstoffe von Zahnpasta und anderen Kosmetika müssen EU-weit einheitlich deklariert werden. Die Grundlage dafür bilden die sogenannten INCI-Bezeichnungen (International Nomenclature Cosmetic Ingredients). Das Problem dabei: Für Laien sind die teils englischen, teils lateinischen Fachbegriffe schwer verständlich. In der folgenden Übersicht führen wir die korrekte INCI-Bezeichnung der einzelnen Inhaltsstoffe in Klammern an. Listen mit „Übersetzungen“ der gängigen INCI-Codes finden Sie auch im Internet.


​Kostenlose​ Checkliste


​Schädlich oder unbedenklich? Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Zahnpasten im Überblick.


Die Inhaltsstoffe von Zahnpasta im Überblick

Die typischen Inhaltsstoffe von Zahnpasta lassen sich folgenden Gruppen zuordnen:

1. Putzkörper und Schleifpartikel

Putzkörper sind feinste Partikel, die Beläge und Bakterien beim Zähneputzen rein mechanisch von den Zähnen abrubbeln. Dabei sollen sie den Zahnschmelz möglichst schonen. Was häufig eine Gratwanderung ist: Gerade weißmachende (Wightening) Zahnpasten enthalten oft sehr aggressive Schleifpartikel, die bei regelmäßiger Anwendung die Zahnoberfläche aufrauen. Wie groß der „Schmirgel-Effekt“ ist, wird durch den sogenannten RDA-Wert (Relative-Dentine-Abrieb) angegeben. Zahnpasten mit einem RDA-Wert von mehr als 80 sollten Sie besser meiden – vor allem wenn Sie zu schmerzempfindlichen Zähnen neigen. Zahncremes mit hohem RDA-Wert enthalten oft Schleifmittel wie:

  • Titandioxid (Titanium Dioxide)
  • Aluminiumoxid (Alumina)

Sanfter zu den Zähnen sind folgende Putzkörper:

  • Kieselsäure (Hydrated Silica / Siliciumdioxide)
  • Kreide (Calciumcarbonate)

Auch Mikroplastik-Kügelchen wurden einige Zeit als schonende Alternative zu aggressiven Putzkörpern angepriesen. Sie sind aber bedenklich, weil sie in das Körpergewebe eindringen und sich dort anreichern können! Mikroplastik verbirgt sich hinter folgenden Bezeichnungen:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)

2. Waschaktive Substanzen und Schaumbildner

Waschaktive Substanzen, sogenannte Tenside, lockern die Zahnbeläge auf und sorgen dafür, dass sie sich besser abbürsten lassen. Sie sind außerdem für den typischen „Schaum“ verantwortlich. Darin sind die abgelösten Partikel gebunden, so dass wir sie anschließend ausspucken können.

Folgende Inhaltsstoffe von Zahnpasta zählen zu den waschaktiven Substanzen:

  • Natriumlaurylsulfat (SLS, Sodium Lauryl Sulfate)
  • Kokosbetain (Cocamidopropyl Betaine)

Natriumlaurylsulfat hat zusätzlich eine leicht antibakterielle Wirkung und ist für die meisten Menschen gut verträglich. Bei manchen Anwendern kann es allerdings Irritation der Mundschleimhaut oder allergische Reaktionen hervorrufen.

3. Fluoride

Fluoride wie Aminfluorid oder Zinkfluorid tragen dazu bei, den Zahnschmelz zu härten. Sie schützen unsere Zähne so vor Säureangriffen – zum Beispiel durch die Stoffwechselprodukte von Karies-Bakterien, die Zucker zu Säuren umwandeln. Aus diesem Grund wirken Fluoride kariesvorbeugend. Sie verbergen sich hinter Bezeichnungen wie:

  • Sodium Fluoride
  • Sodium Monofluorophosphate
  • Olaflur

Wenn man größere Mengen davon schluckt, können Fluoride gesundheitsschädlich sein. Deshalb sollte Kinder-Zahnpasta einen maximalen Fluorid-Gehalt von 500 ppm haben.

4. Antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe

Diese Stoffe hemmen das Bakterienwachstum und beugen so Zahnfleischentzündungen und Karies vor. Antibakteriell wirken unter anderem folgende Inhaltsstoffe von Zahnpasta:

  • Chlorhexidin (Chlorhexidine Digluconate, CHX)
  • Zink-Verbindungen wie Zinklaktat, Zinkchlorid (Zinc Lactate, Zinc Chloride)
  • Zinnpyrophosphate (Stannous Pyrophosphate)
  • Triclosan (Triclosan, TCS)

Triclosan ist in den letzten Jahren stark in Verruf geraten. Die Substanz, die auch als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt, wirkt möglicherweise krebserregend und kann zur Resistenz-Bildung bei Bakterien beitragen. Sicherer ist es, Triclosan in Zahnpasta zu vermeiden – zumal es ausreichend unbedenkliche Alternativen gibt.

5. Desensibilisierend wirkende Stoffe

Diese Substanzen findet man häufig in Zahncremes für schmerzempfindliche Zähne (Sensitive-Zahncremes). Sie sollen die Beschwerden lindern, indem sie die Dentin-Oberfläche versiegeln oder die Reiz-Weiterleitung unterbinden. Häufig verwendet man:

  • Kaliumnitrat (Potassium Nitrate)
  • Zink-Karbonat-Hydroxylapatit (Hydroxylapatit)
  • Strontium-Salze (Strontium Chloride, Strontium Acetate)

6. Konservierungsstoffe

Konservierungsstoffe machen die Zahnpasta haltbar und schützen vor Qualitätsverlust. Man erkennt sie an Bezeichnungen wie:

  • Sorbinsäure (Sorbic Acid)
  • Benzylalkohol (Benzyl Alcohol)
  • Parabene wie Methylparaben, Propylparaben (Sodium Methylparaben, Propylparaben)

Parabene gelten als problematisch, denn sie können eine hormonartige Wirkung auf den Körper entfalten. Weil die Verbraucher in den letzten Jahren für dieses Thema sensibilisiert wurden, haben viele Hersteller ihre Rezepturen inzwischen umgestellt. Als unbedenklich gelten etwa Sorbinsäure oder Benzylalkohol.

7. Feuchthaltemittel

Feuchthaltemittel verhindern, dass die Zahnpasta austrocknet, selbst wenn sie einmal offen liegen bleibt. Auf unsere Gesundheit haben sie in der Regel keinen Einfluss. Am häufigsten verwendet man:

  • Glycerin (Glycerine)
  • Sorbitol (Sorbitole)

8. Binde- und Verdickungsmittel

Diese Stoffe sind für die pasten- oder gelartige Konsistenz verantwortlich und verhindern, dass sich im Inneren der Tube Wasser absetzt. Zu dieser Gruppe zählen:

  • Xanthan (Xanthan Gum)
  • Carrageen (Carrageenan)
  • Polyethlyenglykole (PEG, z.B. PEG-6)

Als problematisch gelten die Polyethylenglykole (PEG), weil sie Haut und Schleimhäute durchlässiger machen. Das kann bei Kosmetika einerseits erwünscht sein, um bestimmte Wirkstoffe einzuschleusen. Doch auch schädliche Stoffe können so besser aufgenommen werden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte PEG daher besser vermeiden.

9. Geschmacks- und Aromastoffe

Viele Inhaltsstoffe von Zahnpasta schmecken oder riechen nicht besonders gut. Deshalb wird Zahnpasta oft eine Reihe von Geschmacks- und Aromastoffen zugesetzt, wie etwa:

  • Süßstoffe (z.B. Sorbit, Saccharin, Xylit)
  • Öle und ätherische Öle wie Pfefferminz-Öl (Mentha Viridis Leaf Oil), Menthol oder Eukalyptus-Öl (Eucalyptol)

Der Zuckeraustauschstoff Xylit wirkt zusätzlich antibakteriell und ist daher vorteilhaft. Ätherische Öle werden vor allem in Naturkosmetika gerne eingesetzt. Manche davon haben neben ihrer eigentlichen Funktion als Aromastoff auch eine schwach antibakterielle Wirkung.

Welche Inhaltsstoffe von Zahnpasta sind für Veganer geeignet?

Immer mehr Patienten legen Wert darauf, dass ihre Zahnpasta garantiert „tierfrei“ ist. Leider sind Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs schwer zu erkennen. Denn die INCI-Bezeichnungen geben keine Auskunft über den Herstellungsprozess! So werden Glycerin und waschaktive Substanzen (Tenside) konventionell aus Rindertalg hergestellt, können aber auch aus pflanzlichen Fetten und Ölen gewonnen werden.

Häufige nicht vegane Inhaltsstoffe von Zahnpasta sind:

  • Knochenmehl als Putzkörper
  • Lactoferrin (aus Kuhmilch) und Chitosan (aus Schalentieren) als antibakteriell wirksame Stoffe
  • Bienenwachs und Bienenpollen als pflegende Substanzen

Am einfachsten ist es für Veganer, sich beim Zahnpasta-Kauf an anerkannten Zertifikaten wie dem V-Label oder der „Vegan-Blume“ zu orientieren.

Putztechnik wichtiger als Inhaltsstoffe

Sie sorgen sich, ob Sie auch wirklich die ideale Zahncreme verwenden? Für die Gesundheit Ihrer Zähne sind weniger die Inhaltsstoffe der Zahnpasta entscheidend, sondern vielmehr Ihre Putzgewohnheiten und Ihre Putztechnik! Falls Sie zu Allergien oder schmerzempfindlichen Zähnen neigen, dann lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt oder der Zahnpflege-Assistentin beraten, welche Zahncreme für Sie geeignet ist.

 

Fotoquelle Titelbild: Dean Drobot/Shutterstock.com